Täik it iesie
Dez 3rd, 2008 | Von ArtieS | Thema: LernpraktikenWhen is your birthday?”, fragt der Lehrer. “My birsday is march”, antwortet der Zweitklässler, er habe im März Geburtstag. “And how old are you?”, hakt der Lehrer nach. Der Kleine schaut ratlos. Dann hält er acht Finger in die Luft: Er ist acht Jahre alt. “Very good”, lobt ihn der Lehrer. (Spiegel)
Basic Global English (BGE) nennt sich das alternative Lernkonzept und wurde von Joachim Grzega entwickelt und umgesetzt.
Er praktiziert an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Goldkronach, einer kleinen Stadt in der Nähe von Bayreuth. Alle 21 Schüler sind freiwillig dort, Noten gibt es nicht.
BGE sprechen, das bedeutet die Beschränkung des englischen Grundvokabulars auf 750 Wörter plus 250 individuell gewählte Wörter.
Ohne Grammatik kommt Grzega natürlich auch nicht aus, hat diese aber auf ganze 20 Grundregeln minimiert.
Natürlich sollen die Kinder später einmal korrekt Englisch sprechen, wenn sie es wollen. Aber für Anfänger das Wichtigste ist erst einmal, dass sie die Angst, etwas falsch zu machen, überwinden”, sagt Grzega. “Ich korrigiere daher die Aussprache nur, wenn sie missverständlich ist.” Denn es ist fatal, wenn ein Urlauber fragt: “Where are the bitches”, wenn er doch “beaches” meint. Ein fehlerhaft verkürzter Vokal kann reichen, und wer nach dem Strand sucht, fragt nach den Nutten.
Humor hat der Kerl also auch noch. Aber nicht nur das, ich kann dieses System nur begrüßen. Nach 5 Jahren Englischunterricht war ich für ein paar Wochen in England und habe gemerkt, dass 4 Jahre davon anscheinend wenig Sinn hatten.
In diesen 4 Jahren nämlich habe ich die Grammatik gelernt, auf die ich in der Schnelle eines Gespräches nicht wirklich zugreifen konnte. Nur die elementaren Regeln brauchte ich auch wirklich.
Ich merkte, dass im Englischunterricht in Deutschland viel zu wenig offene Kommunikation stattfindet, stattdessen viele überflüssige, trockene Grammatikübungen.
Selbst Holland zeigt, dass es anders geht. Dort wird die erste Hälfte jeder Stunde meistens zu einer Gesprächsrunde genutzt.
Und auch in Frankreich gibt es die “English as a lingua franca” (ELF), mit rund der doppelten Anzahl an Vokabeln wie beim deutschen Pendant, also 1500 und ebenfalls einer vereinfachten Grammatik.
- “sprich nicht Englisch, sondern Globalesisch.”
Denn nicht, wer auf internationaler Ebene perfekt Englisch spricht, wird verstanden, sondern wer sich mit einfacher, simpler Sprache ausdrucken kann, die jeder ohne große Kenntnise versteht.
Ein möglicher Kritikpunkt ist natürlich letztendlich die Verrohung der Sprache und vielleicht die Möglichkeit, dass wir uns vom sprachlichen Niveau her zurück in die Steinzeit katapultieren
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“Denn nicht, wer auf internationaler Ebene perfekt Englisch spricht, wird verstanden, sondern wer sich mit einfacher, simpler Sprache ausdrucken kann, die jeder ohne große Kenntnise versteht.”
Richtig. Versucht mal mit einem ganz normalen Japaner oder Chinesen mit akademischem Englisch zu reden. Funktioniert nicht. Ich sehs in der Arbeit: Die Englischen Wörter sind wirklich nur dafür da, dass alle den selben Begriff nutzen, die Grammatik ist auf ein simples SPO-Schema reduziert – das reicht.
“Ein möglicher Kritikpunkt ist natürlich letztendlich die Verrohung der Sprache und vielleicht die Möglichkeit, dass wir uns vom sprachlichen Niveau her zurück in die Steinzeit katapultieren”
Und wenn es so ist. Einem deutscher im englishen Ausland, der eine “blöde” Ausprache hat, aber dennoch verstanden wird, dem wird – wenn er auch belächelt wird – geholfen. Jemand aber, der eine perfekte Aussprache beherscht und dem aber einfach entsprechende Wörter nicht einfallen, der wird nur ein ratloses Schulterzucken bekommen.
Holland ist in der Tat ein interessantes Land, was die Spracherwerb angeht. Zusätzlich zum Sprachunterricht findet man im Fernsehen und im Kino überwiegend holländische Untertitel beim fremdsprachlichen Filmen und Programme…
Im übrigen kann ich genau das gleiche sagen: meine deutsche Grammatik ist grausam. Aber wenn ich spreche, fällt es nicht jederman auf, dass ich aus dem Ausland komme. Dafür hatte ich aber jahrelang Grammatik gelernt, geübt, bin getestet worden und habe alles irgendwie vergessen.
Es bedarf in der Schule schlichtweg eine gewisse Realität: Einen Sinn, einen Grund, etwas zu lernen, etwas was außerhalb der blose “Notenzwang” ist. Schwierig eine Fremdsprache in eine Klassenzimmer vollgestopft mit Kindern, die genauso wenig können (in der Sprache), wie ich… the blind lead the blind? Ach, ja, da gibt es ja ein Lehrer, der vermittelt die Sprache. Ja, das ist es. Und im sonstigen alltag der Kinder gibt es der Sprache kaum (außer vielleicht im Radio).
Ja. Holland macht das nicht schlecht, finde ich. Da hören die Kiddies jedesmal, wenn sie ins Kino gehen, (überwiegend) englisch…
Ja, in den Schulen wird noch zu wenig Wert auf kommunikative Kompetenz (statt: grammatischer Richtigkeit) gelegt. In der Fachdidaktik sind Theorie und Schlagwort schon Jahrzehnte alt, werden in der Praxis aber wenig umgesetzt. Ein Grund ist Trägheit, ein weiterer, dass sich mündliche Kommunikation weniger überprüfbar gerecht benoten lässt – und die Hauptaufgabe von Lehrern, wenn es nach Schülern, Eltern und Ministerium geht, scheint oft die Produktion von Noten zu sein. (Eltern wollen dabei lediglich andere Noten als das Ministerium.)
“sprich nicht Englisch, sondern Globalesisch.”
Wer nicht Englisch sprechen kann, soll wenigstens Globalesisch sprechen, richtig. Aber die anderen? Soll man die ausschließen von den neuen gedanklichen und greifbaren Welten, die die Kenntnis einer Fremdsprache mti sich bringt? Wenn man sich mit Globalesisch begnügt, heißt das, das Konzept Mehrsprachigkeit aufzugeben. Gegenargumente dürften jedem einfallen. (Der gedanke dahinter scheint der zu sein, dass Sprachen an sich überflüssig sind und die Menschheit besser dran wäre, wenn jeder nur Globalesisch sprechen würde.)
Europaweit gibt es den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen. Den kennen auch die Holländer. (Und die Beneluxländer können uns einiges vormachen in der Mehrsprachigkeit. Echte Mehrsprachigkeit, nicht Globalesisch.)
Leider ist zumindest für Gymnasium Bayern nicht klar, in welchem Jahrgang welche Niveaustufe erreicht sein soll. Globalesisch heißt vermutlich: B1? Das gilt in etwas für Klasse 9 oder 10. In der Oberstufe ist B2 oder B2+ anvisiert, glaube ich.
Und wer nicht mehr kann, der soll auch nicht mehr leisten. Tatsächlich gehen ab der 8. Klasse in Englisch die Leistungen sehr stark auseinander. Die besten Schüler erreichen tatsächlich am Gymnasien schon C1.
Aber vor all dem bitte erst mal Latein abschaffen.
@Herr Rau : Schauen Sie sich dazu auch diesen Artikel von uns über Latein an.
http://carmina.ytmnd.com/
Holzi, kannst du mir das Video erklären? Ich verstehe den Zusammenhang nicht.
Danke.
Was die Aussprache betrifft, habe ich meine Zweifel, ob die nicht so korrekt zu sein braucht.
Natürlich, mein Geschichtsprofessor, der Wersarch statt Versailles sagte, hatte ein so umfangreiches Vokabular, dass er sich in Frankreich letztlich doch verständlich machen konnte, auch wenn sein Gegenüber 20 – 30 Prozent der Wörter nicht richtig verstanden hat. Aber auf internationalen Konferenzen können Naturwissenschaftler, die eine miserable Aussprache haben, sich oft nicht zureichend verständlich machen. Dafür ist das, was sie sagen, nicht redundant genug, das heißt sie labern halt nicht, sondern oft kommt es auf jedes Wort an, um etwas zu verstehen.