Unschooling
Sep 30th, 2008 | Von Rafael | Thema: BildungsfreiheitWas Homeschooling ist, dass wissen inzwischen die meisten. Schließlich werden oft genug Diskussionen geführt, ob diese Form der Bildung in Deutschland legal werden sollte. In letzter Zeit finden sich aber auch immer mehr Anhänger des Unschooling. Was soll das sein?
In Wikipedia steht: “Unschooling ist eine Form des Informellen Lernens. Unschooling ist vom Kind geleitetes Lernen in einer Wohnumgebung, ohne den Versuch, die traditionelle Schule und ihre Lehrpläne zu Hause nachzuahmen. Es gibt daher keinen geplanten Unterricht oder bestimmte Zeiten am Tag, für die schulähnliche Aktivitäten vorgeschrieben sind. Themen werden behandelt, wenn das Interesse des Kindes es verlangt. Die Eltern – oder die Personen, mit denen das Kind zusammenlebt – sind weniger Lehrer als Unterstützer und Begleiter der Lernprozesse.”
Ich bin überzeugt, dass 90% der Leute, denen man dies beschreibt zu Schluss kommen: “Die machen dann garnichts! Sie lernen nichts! Darauß wird nichts!”
Anhänger des Unschooling, wie Jan Hunt sehen das natürlich ganz anderst.
Beim Unschooling folgt das Kind seinen interessen und die Eltern handeln nicht als Lehrer sondern als Begleiter. Diese Annäherung wird oft falsch verstanden, weil es sich auf einen Prozess stützt, der sehr vom konventionellen Unterricht abweicht. Der Unterricht wird nicht strukturiert, noch orientiert man sich an irgend welchen Plänen. Dennoch gibt es so viele Dinge, die getan werden.
Es werden Fragen beantwortet. Fragen, die das Kind beschäftigen. Man geht kreativ und kooperativ mit Problemen um, wenn sie entstehen. Man sucht gemeinsam Informationen was auch immer einen interessiert. Und natürlich weis man, was das Kind lernt, denn man sieht es Tag für Tag.
Aktion: Ich habe mir mal folgendes überlegt. Wir werden hier Fragen zum Thema Unschooling sammeln und ich werde mich damit an einige Leute wenden, die sich damit auskennen. Die Ergebnisse erscheinen dann natürlich hier. Je mehr gefragt wird, desto interessanter wird es!
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Eine ausgezeichnete Idee – Unschooling ist wahrscheinlich zu 90% (wahrscheinlich sogar 99 %) noch unbekannt und eher mit Vorurteilen belegt.
).
Wir praktizieren auch Unschooling und seitdem ist das Leben mit Kindern ein Vergnügen. Ein neugieriges Vergnügen mit vielen Unternehmungen und besonders vielen Bibliotheksbesuchen – aber wirklich schön (besonders für die Kinder
Allerdings ist Unschooling auch das, was man selber draus macht.
[...] du also immer schon mal über das Thema Unschooling wissen wolltest, hier wirst du deine Fragen [...]
Hier gibt es was zu lesen zum Thema Unschooling. Mein Sohn hat nach jahrelangem Unschooling einen Einstufungstest für die Flex-Fernschule gemacht. Wie das verlief, habe ich in dem Bericht beschrieben. Über die Ergebnisse dieses Tests werde ich beizeiten dann auch berichten.
Tja, was ist unschooling? Für mich bedeutet es, dass wir als Eltern unsere freilernenden Kinder nicht zwingen, was sie lernen sollen. Trotzdem haben unsere Söhne (sie sind im Moment neun und elf Jahre alt) sich entschieden, bestimmt Dinge regelmäßig zu lernen. So arbeitet Moritz an jedem Wochentag 20 Minuten auf der Website http://www.realmath.de Aufgaben durch, weil er gern auf dem Stand sein möchte, und er arbeitet auch jeden Tag zwanzig Minuten mit dem Rosetta Stone Programm Englisch. (20 minuten täglich haben übrigens gereicht, dass er jetzt, gerade in den Herbstferien, schon mehr als die hälfte der Aufgaben für das 6. Schuljahr erledigt hat). Thomas lernt mit demselben Programm Spanisch, weil wir oft in Spanien sind.
Wie das wirklich freie, in den Alltag eingebettete Lernen unserer Kinder aussieht, habe ich in meinem Buch “Die Freilerner – unser Leben ohne Schule” beschrieben. Ich werde Moritz mal auf diese Seite hier aufmerksam machen, vielleicht hat er selbst Lust, etwas zu schreiben.
Danke für den Link zum Mathelernen, Dagmar, den werde ich Samuel mal zeigen. Eines unserer Probleme ist ja, daß wir viel zu wenig gute und verfügbare Ressourcen zu einem Lernen mit Freude haben oder eben nicht davon wissen.
Alte Matheschulbücher habe ich mehrere, aber die haben Samuel nicht interessiert. Ich könnte mir vorstellen, daß das Online-Lernen einen wesentlich größeren Anreiz auf ihn hat.
Zum Unschooling noch eine Anmerkung: Eine “Unschooling-Mutter” aus Frankreich erzählte mir mal, daß sie ihre Tochter für einige Fernkurse angemeldet hatte, als die Tochter fünfzehn war. Die Tochter wollte diese Kurse gerne machen, zeigte aber bald nur noch wenig Interesse daran. Die Mutter wollte sie daher für das nächste Tri- oder Semester nicht wieder anmelden. Sie hat drei erwachsene Kinder, die alle in der Schule waren, und eben diese jüngste Tochter, die nie in der Schule war, und mit deren Entwicklung sie insgesamt sehr glücklich ist (und ohne die ernüchternden Erfahrungen aus dem Schulleben, die sie von den anderen Kindern kennt).
Dieser Bericht hat mich immer beruhigt, wenn ich sah, daß Samuels Interessen nicht von ihm selbst aus so waren, daß er freiwillig schulischen Lernstoff erarbeitet hätte. Ich sehe seine Gesamtentwicklung und kann sagen, daß er rundum gut und mindestens altersgemäß entwickelt ist (das “mindestens” ist genau genommen stark untertrieben). Besonders auffällig ist seine Sprachgewandtheit, was einerseits ein Talent sein kann, andererseits aber typisch für Unschooler ist, daß sie sprachlich oft weiter sind als ihre Altersgenossen.
Als Lektüre zum Unschooling kann ich außer Dagmars Buch auch das Buch “Bildung zu Hause” von Alan Thomas in deutscher Übersetzung (von Matthias Kern, einem “Unschooling-Vater”) empfehlen. Auf der Website des Tologo-Verlages ist es zu finden.
LG, Elisabeth
verstehe ich das richtig?:
1. homeschooling ist, wenn zu hause wie in schulen mit lernmaterialien strukturiert gelernt werd.
2. unschooling ist, wenn zu hause oder draußen ohne vorgaben mit material oder struktur, sozusagen situationsorientiert wie im modernen kindergarten – frei und überall gelernt wird.
@ schultid
Für mich ist Homeschooling der *Oberbegriff*, dass Kinder nicht in der Schule, sondern außerschulisch lernen. Wie das gestaltet ist, kann sehr unterschiedlich sein.
Es kann sein, dass die Eltern den Unterricht planen, die Kinder einen festen Stundenplan haben in denen vorgegebene Lehrmaterialien durchgearbeitet werden und das Wissen durch Tests überprüft wird. Hier wird Schule sozusagen zu Hause “nachgespielt” (School-at-home).
E kann aber auch sein, dass gar keine Vorgaben gemacht werden, sondern das Kind entscheidet, was es wann, wo auf welche Weise lernen möchte. Das kann zu Hause, aber auch an jedem anderen Ort sein. Es existiert keine Trennung zwischen Leben und Lernen. Das ist natürliches Lernen (Unschooling).