Interview zur Sudbury-Schule
Feb 2nd, 2008 | Von Aspire7#Admin | Thema: SudburyWeiterhin haben wir die Sudbury-Schule im Auge und möchten heute eine Befürworterin zu Wort kommen lassen. Dazu haben wir ein kleines Interview mit einer befreundeten Bloggerin Ulrike Sennhenn geführt.
1) Welche Erfahrungen haben Sie mit unserem Schulsystem gemacht (selber oder als Eltern)?
Ich (Jahrgang 1968) kann mich noch erinnern, dass ich sehr neugierig auf die Schule war, die Grundschulzeit habe ich in guter Erinnerung. Die Zeit auf dem Gymnasium war sehr wechselhaft … es war sehr lehrerabhängig, ob der Unterricht Spaß gemacht hat oder nicht, und bei mir war oft eine Sperre da, wenn ich den Sinn des Zu-Lernenden nicht verstanden habe. Wozu ist das wichtig zu wissen? Was nützt mir das? Aus Notensicht kam dann erschwerend hinzu, dass ich mich nicht gerne gemeldet habe … man konnte mich gerne aufrufen und fragen, aber … melden? Neee ….
Ich war heilfroh, als ich das Abi hatte und ich endlich “arbeiten” (Ausbildung = in die Praxis) durfte
Bei meinem Sohn erlebe ich das Schulsystem aus einer anderen Perspektive. Hier konnte ich beobachten, wie aus einem fröhlichen und neugierigen Kindergartenkind sehr schnell ein Kind wurde (wie seine Freunde auch), das frustriert ist … so viel Neugier, die nicht gestillt wird … so viele Bereiche, die nicht interessieren und mit Druck vermittelt werden … eine unharmonische Lernatmosphäre … überforderte Lehrer, die auf ihrer Macht beharren und zu keinen Änderungen ihres Verhaltens bereit sind …
2) Was halten Sie von den Punkten, die wir auf schul-kritik.de kritisieren?
Die sind mir leider noch aus meiner eigenen Schulzeit bekannt … da hat sich bedauerlicherweise nicht viel geändert
3) Ihre Vorstellungen von einem Schulsystem finden sich am ehesten im Prinzip der Sudbury-schule wieder. Könnten sie kurz erklären, wie dieses Schulsystem funktioniert?
In einem Satz erklärt: jeder Schüler bestimmt selber, ob und wann er wie wo was lernt!
JEDE Initiative geht vom Schüler aus … er ist von Anfang an eigenverantwortlich. Es gibt weder Klassenräume noch Stundenpläne … Ein Konzept, das seit 40 Jahren in den USA (und inzwischen weltweit) mit hervorragenden Ergebnissen praktiziert wird!
Wichtig ist auch der demokratische Ansatz: jährlich werden die Lehrer (Begleiter) VON DEN SCHÜLERN gewählt, an allen Abstimmungen sind die Schüler beteiligt, das “Justizsystem” ist ebenfalls von den Schülern erstellt und sie überwachen auch die Einhaltung der Regeln bzw. die Konsequenzen bei Nichteinhaltung.
4) Was überzeugt Sie von diesem System? Wie haben Sie es kennen gelernt?
Ich war spontan von diesem Konzept überzeugt, weil es mein Herz berührt hat – und meinen Verstand heftig irritiert hat. Das ist IMMER ein gutes Zeichen für mich
Ich bin auf etliche Blockaden in mir gestoßen – z.B. 5jährige Kinder sollen EIGENVERANTWORTLICH entscheiden, OB sie lernen wollen? Und was? Die werden doch den ganzen Tag spielen …. Dann die Erfahrungsberichte zu lesen … zu erfahren, was WIRKLICH passiert (die Kinder suchen sich überwiegend schwierige / herausfordernde Wege!) … das war für MICH ein interessanter “Erkenntnisprozess” über das eigene, einschränkende Denken. Hier lernen vor allem “die Großen” sehr viel über sich selber … während die Kinder das Konzept begeistert annehmen und sich frei entfalten können.
Inzwischen lese ich immer mehr wissenschaftliche Studien, die BELEGEN, WARUM das “freibestimmte” Lernen wesentlich effektiver ist … warum das Lernen in einer altersgemischen Gruppe zu bevorzugen ist … wie motiviert Kinder sind, die eigenverantwortlich handeln dürfen. Im Herbst letzten Jahres habe ich mich im Internet auf die Suche gemacht nach alternativen Schulkonzepten und bin da sehr schnell auf “demokratische / Sudbury-Schulen” aufmerksam geworden.
5) Denken Sie nicht, dass die große Verantwortung der Schüler negative Folgen haben könnte?
Nein! Kinder sind von Natur aus neugierig und wissbegierig … und verantwortungsbewusst. Wenn man sie lässt …
6) Sie möchten eine solche Schule in Düsseldorf gründen. Gibt es da schon konkrete Pläne? Wie sehen diese aus?
Wir bereiten die Gründung eines gemeinnützigen Vereins vor, es werden gerade viele Gespräche geführt mit interessierten Eltern und Menschen, die die Schüler gerne begleiten würden. Die große Herausforderung vor der wir grad stehen ist die Finanzierung … aber auch da werden sich Wege finden, wir sind da sehr zuversichtlich!
7) Welche Reaktionen haben sie bisher darauf erhalten?
Entweder spontane Begeisterung oder irritiertes Kopfschütteln
))
8. Wie würden Sie die Ideen einer solchen Schule am ehesten in unser aktuelles System integrieren?
Ich würde damit beginnen, dass die Schüler sich ihre Lehrer selber wählen … und dass die Aufteilung nach Klassen / Alter aufgehoben wird!
Wir bedanken uns für das Interview! Morgen dann an dieser Stelle unsere ganz eigene Meinung zum Sudbury-System
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Wer mehr über Sudbury-Schulen erfahren will, kann sich auf http://www.sudbury.de informieren.
Wer noch mehr lesen will, kann dies auf http://www.sudbury-berlin.de/index.php?option=com_content&task=view&id=68&Itemid=69&PHPSESSID=06e58e30b129db19dc04d2fdcfa55e25 tun.
Und es gibt auch Bücher und DVDs zum Thema:
-> http://www.tologo.de/endlich-frei/
-> http://www.tologo.de/die-sudbury-valley-school/
-> http://www.tologo.de/ein-klarer-blick/
-> http://www.tologo.de/sudbury-schulen-dvd/
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