Dramatische Aktionen für Verkehrssicherheit

Sep 25th, 2008 | Von ArtieS | Thema: Politik

“Beim Anblick des Plakates läuft es einem kalt den Rücken runter: Da hat sich ein Auto regelrecht um einen Baum gewickelt. Im Hintergrund stehen Rettungskräfte und ein Leichenwagen. „Nr. 40“ prangt in großen Lettern auf dem Plakat und darüber die Fragen: „Willst Du die nächste Nummer sein?“ Mit derart drastischen Mitteln soll der Blick von Jugendlichen für Gefahren im Straßenverkehr geschärft werden. Das ist das Ansinnen der Organisatoren von Verkehrssicherheitstagen, die von gestern bis Donnerstag stattfinden.”

Auto, dass aus 10 Meter Höhe auf einen Baum fallen
gelassen wird, um einen Aufprall zu simulieren

So schreibt es eine überregionale Tageszeitung über das, was in den vergangenen Tagen an unseren Schulen passiert ist. Neben “Vorträgen” über die Gefahren im Straßenverkehr wurde ebenfalls eine große Aktion durchgeführt, die den Schülern plastisch die verschiedenen Unfälle verdeutlichen sollte. Wie das Foto oben zeigt, gab es neben gutem Wetter auch wirklich was zu sehen. Man führte nämlich neben dem Zusammenprall eines Autos mit Dummys in verschiedenen Positionen und Geschwindigkeiten auch den Fall eines Autos auf einen Baum vor, der den seitlichen Aufprall eines von der Straße abgekommenden Autos simulieren soll. So wollte man die Schüler sensibilisieren, denn kein anderes Bundesland hat so viele Unfalltote Jugendliche pro Jahr wie Niedersachsen. Diese Atkion wurde mit viel Engagement durchgezogen und die Moderatoren (Jo, es gab welche) haben alles getan, um ihre Erfahrungen und die Gefahren an die Schüler heranzubringen.

Obwohl die Wirkung bei den Schülern unverkennbar war, habe ich das Gefühl, dass die Unfälle durch solche Aktionen nicht gerade drastisch verringert werden. Die jungen Menschen haben einfach kein Gefühl für die Gefahren, bis sie sie selbst erlebt haben.

Wieso sucht man also nicht die Ursachen sondern fuscht nur an der Oberfläche rum?

Zu harte Stoßstangen wolle der Gesetzgeber bald verbieten, so ein Beamter, damit es weniger Tote bei Zusammenstößen gäbe. Ja, krass, dann sterben die Opfer nicht sofort sondern verenden im Krankenhaus.

Und gleichzeitig erlaubt man Fahren bereits mit 17 Jahren. Das hochzuschrauben, wäre sicher ein Weg, die Unfälle einzudämmen, denn wo niemand fahren kann, gibts auch keine Toten. (knallhart geschlussfolgert)

Leider liegen die Ursachen auch beim Alkoholkonsum. Bei etwa 20% der Unfälle ist Alkohol im Spiel. Was nicht gerade verwunderlich ist, bei den Mengen, die Jugendliche in sich rein kippen. Vielleicht muss man die Ursachen also im Elternhaus suchen, wo mehr darauf geachtet werden sollte. Oder im Freundeskreis. Wenn jemand nur schlechte Vorbilder hat, kann er sich auch nicht gut entwickeln.

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Tags: Add new tag, Aktion, Alkohol, Eltern, Führerschein, Kritik, Schüler, Sicherheit, Tot, Unfall, Verkehr, verletzt

6 Kommentare
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  1. Es ist interessant, wie schnell man mit Einschüchterung Menschen dazu bringt, auf ihre Rechte zu verzichten. Wir züchten uns selbst zu einem Volk von Feiglingen.
    Natürlich ist es nicht schön, wenn Leute im Verkehr sterben. Natürlich kann man die grausamsten Fotos davon machen und dann an allen Schulen vorführen.
    Allerdings könnte man auch Rentner die Fahrzeugpapiere abspenstig machen. Brillenträgern. Hab ich was vergessen? Ah, ja, schreiende kleine Kinder auf den Rückbänken erhöhen bestimmt auch nicht die Verkehrssicherheit. Also auch Führerschein weg mit dem ersten Kind.
    Hunde hinten? Laute Musik?
    Lasst Euch nicht verarschen. Es ist seit jeher Sport der Erwachsenen den Nachwachsenden so lange wie möglich alle Rechte zu nehmen, damit das Erbe sicher ist und man billige Arbeiter hat.

  2. Vielleicht ist Alkoholkonsum auch als Flucht vor der Schule zu verstehen?

  3. Vielleicht. Es gibt viel zu viele Einflüsse auf Jugendliche, als das man das noch genau feststellen kann. Angst vor der Schule ist aber bekanntlich ziemlich weit verbreitet und hat sicher auch große Auswirkungen. Aber, dessen sind sich die Verantwortlichen ja nicht bewusst, denn um das zu ändern, müsste man sich wirklich was einfallen lassen.

    Wer weiß schon, ob die Zahlen stimmen oder falsch dargestellt und interpretiert werden und hier nicht wirklich einfach eine Bevormundung stattfindet?

  4. Danke, dass ich doch so eine gute Antwort erhalten habe – ich dachte mit meinem ersten Kommentar wäre ich über die Stränge geschlagen :)

    Dass der Alkoholkonsum mit 21 Jahren den Höhepunkt erreicht, das scheint zu stimmen (die Information ist zwar aus einem amerikanischen Lehrbuch, jedoch die deutsche Übersetzung). Warum sie die Videos aber nicht auch den Veranstaltern von Flatrate-Partys (Komasaufen) zeigen das muss einen als Jugendlichen schon wundern.

    Allerdings sind die westlichen Kulturen auch auf Alkohol als Rauschmittel ausgelegt. Ein Banker sagte mir mal, wer bei ihnen nicht mit dem Kunden mithält, der kann auch gleich kündigen.

    Die Schlussfolgerung, dass man das Mindestalter hochschrauben soll, die hat mich einfach total überrascht. Ich kenne Jugendliche (14-15 Jahre) die sind schon so weit, dass ich sagen würde: Ja, lasst sie fahren lernen. Wenn sie dann noch nicht in die Diskos dürfen wäre das vielleicht sogar ein Beitrag zur Verkehrssicherheit, da sie mit 20 dann schon so viel Erfahrung haben (und das Fahren nicht mehr so etwas Neues, Tolles ist), dass sie vielleicht Verantwortungsvoll handeln.

    Wenn man weniger Leute auf den Straßen haben will, hätte ich von Schul-Kritik erwartet, dass man generell auf ein System setzt, wie: An einem Tag alle mit einem geraden Nummernschild, am nächsten Tag mit ungeraden Nummernschild.

  5. Die Aussage, das Mindestalter hochzuschrauben war etwas ironisch gemeint, wird vill. nicht so deutlich.

    Ich war mir nicht sicher wo die Ursachen liegen, hier gibt es wiegesagt viele Möglichkeiten. Diesen Satz hätte ich besser noch angefügt, generell spielt meiner Meinung nach das Umfeld wie Familie und Freunde eine große Rolle, was ich ja auch geschrieben habe.

  6. Also, es ist eine Tatsache, daß ein großer Teil der Unfälle mit Toten und Schwerverletzten von jugendlichen Fahrern verursacht werden. Das ist statistisch belegt. Rentner dagegen und Brillenträger usw. ragen in der Statistik nicht als eine besonders gefährdende Gruppe hervor, eher wohl gar nicht.

    Fahren – gerade heutzutage, wo es sehr viel Verkehr gibt – ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Wer sich ein bißchen erinnern kann wird nachvollziehen können, daß die ersten Fahrmonate nicht gerade die sichersten waren, diejenigen, wo man bereits den vollen Überblick hatte, wo man schlafwandelnd fahren konnte.

    Autofahren bedeutet einerseits ein technisches Gerät beherrschen, das tatsächlich genauso viel eine Waffe wie ein reines Fortbewegungsmittel sein kann, andererseits immer konzentriert und den Überblick behaltend präsent zu sein. Ich sehe das vorgezogene Führerscheinalter auch sehr skeptisch. Wobei ich gut finde, daß erst nur in Begleitung gefahren werden darf, das könnte ein Beitrag dazu sein, daß danach, wenn man alleine fahren darf, bereits eine größere Sicherheit und Abgeklärtheit beim Fahren vorhanden ist.

    Für mich persönlich ist das Auto eine der wichtigsten Errungenschaften der modernen Technik. Ich würde eher auf die Waschmaschine als auf das Auto verzichten wollen. Dennoch ist es Tatsache, daß Autofahren gefährlich ist, daß es umweltbelastend ist, daß es tödlich sein kann. Dies einfach zu leugnen und so zu tun, als wäre es am besten, bereits kleine Kinder ans Steuer zu lassen, finde ich höchst unverantwortlich. (Ich habe das jetzt im letzten Satz übertrieben dargestellt, aber Du wirst es schon verstehen, 1000Sunny.)

    Die im Artikel beschriebene Art, wie man versucht, den Schülern die Gefahren das Autofahrens nahezubringen, erscheint mir auch nicht sehr wirkungsvoll. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein auf einen Baum aus der Höhe herunterfallendes Auto hartgesottene Jugendliche wirklich gefühlsmäßig trifft. Eher stelle ich mir vor, daß es als kleiner Nervenkitzel und Spaß angesehen werden wird.

    Das Problem ist wohl die allgemeine Unreife der jugendlichen Fahrer. Dazu gehört dann natürlich auch, daß man sich keine Gedanken macht, sondern eher noch damit prahlt, wenn man besoffen hinter dem Steuer sitzt. Und spätestens da wäre ich rigoros: Besoffene haben hinter dem Steuer nichts, nein, gar nichts zu suchen. Auch nicht Vollgekiffte und ähnlicherweise dem normalen Bewußtsein Enthobene. Wer das Leben seiner Mitmenschen so hirnlos aufs Spiel setzt, der sollte erstmal mindestens zwei Jahre lang gar nicht mehr fahren dürfen. (Ich kenne nicht die offiziellen Strafen – Führerscheinentzug bei Alkohol- und Drogenkonsum – aber vielleicht liegen die ja bereits in dieser Größenordnung.)

    Autofahren setzt viel Verantwortungsbewußtsein voraus. Das zu negieren hat nichts mit Freiheit zu tun, sondern mit Dummheit.

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