Wenn ein Kopf benotet wird…

Jan 28th, 2008 | Von Aspire7#Admin | Thema: Lehrer

….kann man sich doch nur an den Kopf fassen oder?! Kopfnoten sind wieder auf dem Vormarsch. In zahlreichen Bundesländern sind sie wieder an der Tagesordnung. Nordrhein-Westfalen führt die umstrittenen Noten sogar dieses Jahr wieder ein, während sie in Bayern, in der Grundschule schon wieder abgeschafft werden sollen. Welcher Kopf kann da denn noch den Überblick behalten?

Nun gut, wie auch immer. Sollte man denn als Schüler die Kopfnoten bevorzugen oder sie strikt ablehnen? Dies hängt sicher auch von dem Prinzip ab. Während man in Niedersachen nur Sozial- und Arbeitsverhalten bewertet, will es das Kultusministerium aus NRW gleich richtig wissen. Gleich in 6 Punkten sollen die Schüler bewertet werden.

Hier liegt unserer Meinung nach ein großes Problem: so explizit kann kaum ein Lehrer seine Schüler richtig einschätzen. In Extremfällen hat der Klassenlehrer seine Schüler 2-3 Stunden in der Woche. Bei einer großen Klasse mit bis zu 30 Schülern ist es unmöglich, Dinge wie das „Konfliktverhalten“ objektiv zu bewerten. Das Ergebnis: Einheitsnoten. Wie wir sie selber oft genug erleben. Jeder Schüler erhält nahezu die gleiche Bewertung, der eigentliche „Sinn“ der Kopfnoten entfällt völlig. Fragen sollte man sich auch, wie stark die Kopfnoten im späteren Leben gewichten. Schauen die zukünftigen Arbeitgeber wirklich auf diese umstrittenen Noten? Könnte es den ein oder anderen einen Ausbildungsplatz kosten, wenn die Bewertung schlecht ausfiel?

Unserer Meinung nach haben die Kopfnoten zwar einen guten Hintergrund, sind jedoch so nicht gut umsetzbar. Lehrer haben zu wenig Möglichkeiten um vernünftige Bilder ihrer Schüler zu gewinnen. Da sie jedoch bewerten „müssen“, erhält man verfälschte Ergebnisse. Verhaltensauffälligkeiten sollten eher extra bemerkt werden, wenn nötig. Kopfnoten jeodch, wie sie in NRW z.B. umgesetzt werden, halten wir für wenig sinnvoll.

Na, wem tut jetzt der Kopf weh?…

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Tags: Arbeitsverhalten, Bayern, Bildung, Grundschule, Kopfnoten, Lehrer, Niedersachen, Noten, Schüler, Sozialverhalten

11 Kommentare
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  1. Ich kenne es zumindest aus NRW so, dass der Klassenlehrer seine Klasse in der Regel in 4 – 6 / 7 Stunden hat. (Meistens Hauptfach + Nebenfach. Manchmal auch nur 2 Nebenfächer.)

    Manchmal hat man sie auch öfters.

    Da kann man schon etwas sehen. Außerdem kommen bei der Besprechung der Kopfnoten alle anderen Fachlehrer noch hinzu. (Wir (Realschule) haben die Noten vorab in Listen eintragen lassen. War nur wenig aufwändig, ging schnell und war übersichtlich. Der Fachlehrer hat im Nachhinein die Noten daraus gebildet.)

    In NRW finde ich es gerade gut, dass wir jetzt 6 Notenbereiche haben. In meinem Kreis wurden bisher auch schon “Noten” für das Arbeits- und Sozialverhalten gegeben. Allerdings war es nur eine Bemerkung (in Stufen unterteilt) und es waren halt nur 2 Gesamt-”Noten”.
    Dies fand ich eher schlecht, da man die weite Spanne schlecht in eine Note packen konnte. Dabei kam praktisch immer die mittlerste Note heraus, da es zwar sicherlich Abweichungen nach oben oder unten gab, diese aber bei der Gesamtbetrachtungen kaum ins Gewicht fielen.

    Das ist nun anders.

    Vielleicht gab es (da die Schüler die Noten gewohnt sind) bei uns auch keine Einwände gegen die Vergabe.

    Und im Großen und Ganzen finde ich sie gut.
    Kürzlich habe ich gelesen, dass Schüler lieber schnelle, “spontane” Strafen haben wollen. Ich finde es persönlich aber schon besser, dass die Schüler auch langfristig denken müssen und sich überlegen müssen, wie sich ihr Verhalten auf das “angestrebte Ziel” (ein angemessenes Zeugnis) auswirken kann.

    Also: ich bin mit zufrieden.

    Markus

    P.S.: es gibt in der Schule sicherlich viel zu kritisieren, aber bei eurer Schlagzahl müssen euch doch bald die Themen ausgehen? ;) Weiter so.

  2. Nachtrag:

    Aber ich bin immer noch der Meinung (wie ihr auch), dass eine angemessene Beurteilung auch so nicht erreicht werden kann. Dafür bräuchte man schriftliche Bewertzngszeugnisse. (Ich habe meinen Schülern auch entsprechende Kommentare mitgegeben.) Aber ich denke mal, wenn ich das fordere, werde ich von vielen Kollegen gelyncht. ;)

    Markus

  3. Hier mal eine Handreichung dazu:
    http://www.schulministerium.nrw.de/BP/ImFokus/Handreichung_AS/RS_HandreichungArbeitsundSozialverhalten.pdf

  4. Markus: Bei uns liegt diese Zahl aktuell bei 3 Stunden die Woche.

    Im Vorjahr war es ähnlich, aber wenn es, wie es in deinem Kollegium anscheinend der Fall ist, so eine gute Absprache zwischen den Lehrern gibt, ist dies ja sehr lobenswert. Bei uns lief es jedoch letztes Jahr so, dass für alle Schüler unserer Klasse eine Einheitsbenotung im Bereich Arbeits- und Sozialverhalten gegeben wurde.

    Der Sinn darin erschloss uns dann nicht so ganz.

    Ach und bezüglich den Themen, hey wir sind noch mindestens 2 1/2 Jahre Schüler, da passiert hoffentlich noch genug ;)
    Und danach berichten wir dann über unsere Studiumszeit. Ach und wenn dann alle negativen Dinge ausgehen, können wir uns ja auch mal überlegen, über die vielen positiven Dinge zu berichten, die wir an unserer Schule erleben. ;)

    @ flintaur: Danke für den Text. Wenn aber, wie ich oben beschrieben habe, sogar die Arbeits und Soziaverhaltensnoten nicht ordentlich verteilt werden, läuft irgendwas schief.

  5. Schaut mal hier: http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2008/01/kopfnoten-in-nrw-wieder-eingefhrt.html

  6. Auch wenn die politisch Verantwortlichen das wohl nicht zugeben würden: Der Sinn von Kopfnoten ist doch v.a., dass die Schüler nicht aufmucken, dass sie sich so ziemlich alles von Lehrern gefallen lassen. Denn sonst gibt’s ja eine schlechtere Kopfnote.

    Ich habe Kopfnoten noch als Schüler in der DDR und der Wendezeit erlebt. Für mein unangepasstes Verhalten habe ich in der 5. Klasse in Betragen eine 4 bekommen. Allerdings ging die Notenskale damals (1990/91) in Ost-Berlin auch nur bis 5.

    Kopfnoten sind also im wahrste Sinne des Wortes ein Mittel zur Zensierung des Kopfes.

  7. In NRW wird nicht “unangepasstes Verhalten” bewertet, sondern bsp.
    - Konzentration über längere Zeit (Leistungsbereitschaft),
    - gibt auch bei Schwierigkeiten nicht auf (Leistungsbereitschaft),
    - verlangt Klärung (Leistungsbereitschaft),
    - beteiligt sich am Unterricht (Leistungsbereitschaft),
    - erledigt AUfgaben vollständig (Zuverlässigkeit/Sorgfalt),
    - behandelt seine Lernmaterialien veranwtortungsbewusst (Zuverlässigkeit/Sorgfalt),
    - setzt sich selbst Ziele (Selbstständigkeit),
    - teilt die Zeit angemessen ein (Selbstständigkeit)

    - nimmt Aufgaben für die Klasse war (Verantwortungsbereitschaft),
    - ist bereit, für sein eigenes Handeln einzustehen (Verantwortungsbereitschaft),
    - vertritt auch Interessen anderer (Verantwortungsbereitschaft),
    - begründet Kritik an anderen sachlich (Konfliktverhalten),
    - setzt sich mit Standpunkten auseinander (Konfliktverhalten),
    - benutzt Sprache, die nicht diskriminert (Konfliktverhalten),
    - bietet anderen Hilfe an (Kooperationsfähigkeit),
    - stimmt sich in der Gruppe ab (Kooperationsfähigkeit)

    Und jetzt sag mir bitte, wo hier dert Kopf zensiert wird. Danke.

    Markus

  8. Und genau in dieser kleinen Unterteilung habe ich meine Probleme. Das sind ganz schöne Details. Wie z.B. “Stimmt sich mit der Gruppe ab” oder “setzt sich eigene Ziele”. Sicher dinge die bei dem ein oder anderen im Unterricht auffallen können. Jedoch kann ich mir auch vorstellen, dass eine wirklich faire Bewertung bei Schülern die etwas zurückhaltender sind, nur sehr schwer möglich ist. Da die Lehrer aber bewerten MÜSSEN, wird möglicherweise falsch eingeschäzt…

  9. Es sit aber besser. Wie ich oben geschrieben habe, hatten wir früher (bis vor einem Jahr) die grobe Unterteilung. Die Noten waren immer nie … fair und ich hatte immer eher ein Geschätzt -Gefühl.

    Es ist aber schon so, dass die Schüler für eine “1″ eine Menge leisten müssen.

    Markus

    Btw: diese Enteilung war noch … grob. Ich habe etwa die Hälfte weggelassen.

  10. OK, die Ausgestaltung der Kopfnoten scheint in den verschiedenen Bundesländern recht unterschiedlich zu sein. Dennoch lassen sich die genannten Punkte überhaupt nicht annährend objektiv bewerten und sind damit auch nicht vergleichbar. Wozu sollen sie dann überhaupt gut sein? (Nicht, dass ich glauben würde, Noten könnten überhaupt objektiv sein.)

    So gut wie jeder Schüler hat doch die Erfahrung gemacht, dass Noten sehr vom Lehrer abhängen und davon, ob der einen mag oder nicht. Und da kommen Schüler, die sich zur persönlichen Zufriedenheit des Lehrers verhalten, ganz klar besser weg, als solche, die ihre Kritik offen äußern und damit anecken.

  11. [...] dieser Thematik gehören natürlich auch die Kopfnoten, mit denen wir uns bereits auseinander setzten. Hier erkennt man auch durchaus eine positive Funktion dieser Noten. Fragt sich nur, wie passend [...]

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