Kritik üben Teil II- Jede SV ist eine revolutionäre Zelle

Feb 18th, 2008 | Von ArtieS | Thema: Schulerfahrungen

(Anmerkung: der folgene Text bezieht sich auf den Beitrag “Kritik üben: die Schülermitverwaltung”, wäre also gut, wenn man sich zuerst diesen Beitrag nocheinmal durchliest.)

Es scheint ja gerade eine Diskussion über Sinn und Unsinn von SVen auf diesem Blog aufzukommen. Ich war über sieben Jahre lang auf den verschiedensten Ebenen für die SV aktiv, sei es an der eigenen Schule oder auf Landes-, bzw. Bundesebene. Deshalb möchte ich auch einige Anmerkungen zu SVen in Deutschland machen.

Zunächst: ich sage bewusst SV(=Schülervertretung) und nicht SMV (=Schülermitverwaltung), weil der Begriff SMV aus meiner Sicht negativ belegt ist. In manchen Bundesländern heißt die Schülervertretung zwar noch SMV, aber SMV waren stets ein Relikt einer Zeit in der die Schülervertretungen de facto noch weniger Mitspracherechte haben als heute. Wenn man SMV sagt, heißt das ja auch direkt, dass diese SMV nicht zur Vertretung von Schülerinteressen da ist, sondern lediglich in einer Art Alibifunktion am Schulleben mitwirken soll, meistens in ihren Aufgaben durch ein hierarschiches Schulsystem beschnitten.

Den SVen kommt in unserem Schulsystem eine besondere Rolle zu. Sie stehen für die Jugendbeteiligung und Demokratisierung in der Schule. Die SV ist die erste demokratische Instiution, in welcher Schüler selber erleben können, wie sie sich in einer Demokratie organisieren können und wie man zu demokratischen Entscheidungsprozessen findet.

Nur sind SVen zurzeit kein demokratisches Instrument an unseren Schulen, weil die Landesgesetzte den SVen keine wirklichen Mitbestimmungsmöglichkeiten einräumen. Unser Schulsystem verletzt jeden Tag erneut die Menschen- und Völkerrechte, weil es Schülern verboten wird an ihrem Lebensumfeld zu partizipieren, sich selbst zu organisieren, an Versammlungen teilzunehmen etc. Unser Schulsystem ist eine antidemokratische Insitution. Aus diesem Grund weisen viele SVen einen konservativen Roll Back auf. Die meisten SVen wollen tatsächlich nur irgendwelche Partys und Fußballturniere organisieren, ihnen liegt nicht viel daran sich auch wirklich für die Interessen der Schüler einzusetzen.

Jede SV ist eine revolutionäre Zelle. Warum? Weil jede SV es sich zur Aufgabe machen muss die Lebensumstände der Schüler in der Schule zu verbessern. SVen sind eine Art Schülergewerkschaft, sie müssen für die Demokratisierung der Schule eintreten und für die Rechte der Schüler kämpfen. Würde dies von SVen getan werden, würden sich einige Probleme an unseren Schulen sehr schnell lösen. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Probleme des Schulsystems (soziale Selektion, Lern- und Leistungsstress, diffuse Lerninhalte) auf die mangelnde Beteiligung von Schülern zurück zu führen sind.

Noch einen Satz zu dem Beitrag. Hier wird gesagt:

Trotzdem sind wir nicht aktiv in einer solchen SMV – Warum?

Nun ja uns stören oftmals Dinge die das komplette Schulsystem betreffen. Diese lassen sich nicht auf Schulebene ändern. Zudem ist an unserer Schule zum Beispiel die SMV mit Schülern der 5. – 12. Klasse bestückt. Dort gehen die Vorstellungen stark auseinander, man hat ganz andere Herangehensweisen, was das konstruktive Arbeiten erschwert.

SVen in der Schule können dies tatsächlich nicht leisten. Aber gerade Landesschülerräte sind genau dafür verantwortlich, das Schulsystem in seiner Gesamtheit zu kritisieren.

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Tags: Demokratie, Kritik, Schüler, Schulsystem, SV

3 Kommentare
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  1. Ich kenne mich nur in Bayern aus; in BayEUG oder GSO heißt SMV “Schülermitverantwortung” und bewusst nicht “Schülermitverwaltung”.

    Die SMV besteht aus allen Schülern (man kann nicht Mitglied oder Nichtmitglied der SMV sein), ist insofern keine demokratische Institution. Es gibt allerdings gewählte Vertreter der SMV, etwa die Schülersprecher, aber auch die Klassensprecher – bereits die sind die ersten Anflüge der Demokratie an der Schule.

    (Leider sind sich nicht alle Lehrer der Wichtigkeit einer ordnungsgemäßen Klassensprecherwahl bewusst; das gilt für Schülersprecherwahlen allerdings ähnlich.)

    “Unser Schulsystem verletzt jeden Tag erneut die Menschen- und Völkerrechte” …schon kann ich den Rest nicht mehr ernst nehmen.

  2. Zugegeben, den Satz fand ich auch etwas extrem. Aber grade die verschiedenen Meinungen machen das Thema ja so spannend. Schließlich wollen wir hier keine feste Meinung verbreiten sondern diskutieren, andere Einsichten gewinnen und wenn möglich, ein ganz klein wenig bewegen. Ich fand trotzdem die Einsichten in Schülermitverantwortung Schülerverwaltung und Schülermitverwaltung interessant. Schon gleich hier scheint es schon wieder große unterschiede zwischen den bundesländern zu geben…

  3. “…schon kann ich den Rest nicht mehr ernst nehmen.”

    Ist übrigens gar nicht unbedingt ein Zitat von mir, sondern taucht in einem Essay von Prof Klaus Hurrelmann (Leiter der Shell Jugendstudie) und Prof Otto Herz (Leiter der Pädagogik an der Uni Bielefeld) auf.

    “Die SMV besteht aus allen Schülern (man kann nicht Mitglied oder Nichtmitglied der SMV sein), ist insofern keine demokratische Institution.”

    Dann ist der Staat auch Deutschland auch undemokratisch, weil Deutschland auch eine Zwangskörperschaft im weitesten Sinne ist. Ich bin automatisch Mitglied wenn ich hier geboren bin.

    “etwa die Schülersprecher, aber auch die Klassensprecher – bereits die sind die ersten Anflüge der Demokratie an der Schule.”

    An manchen Schulen sind SVen aber eben auch nur Alibiveranstaltungen der Lehrer und der Direktoren.

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