Schüler machen Schule krank…?!

Feb 5th, 2008 | Von Aspire7#Admin | Thema: Schulerfahrungen

Oder war es doch anders ‘rum? Vor einigen Tagen machte der gute Herr Beckmann mal wieder von sich reden, nämlich mit der Parole: Schule macht die Schüler krank. Der Quote seiner Sendung hat das sicher gut getan,nur stimmt das denn auch, was er damit sagt? Wir wollen uns damit näher auseinander setzten.

Das Abitur schon nach 12 Schuljahren zu absolvieren, scheint ja anscheinend im Trend zu liegen.

Deutschland war bei der Pisa-Studie weit abgeschlagen, es musste also gehandelt werden und mehr Wert auf die Bildung gelegt werden. Der kosequente Schritt der Regierung: Abitur schon nach 12 Jahren?!. Warum denn auch nicht. Sicherlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass während der Schulzeit viele „Leerlaufphasen“ entstehen. Da sitzt man in der Schule rum und weiß nicht recht, was man denn mit seiner Zeit anfangen soll, denn ernsthafter Unterricht wird sicher nicht gemacht.

Doch lässt sich das verhindern, in dem man einfach ein Schuljahr einspart? Wir denken nicht.

Wir selbst werden das Abitur noch mit 13 Schuljahren ( naja manche brauchen wohl auch 14 oder 15 Jahre ) und sind damit eigentlich ganz zufrieden. Denn auch wir bekommen regelmäßig Einblicke in Lehr- und Stundenpläne der Jahrgangsstufen unter uns. Diese haben häufig mehr Unterricht als wir und behandeln Dinge teilweise 2 Klassenstufen eher. Unserer Meinung nach ein ganz schöner Leistungsanspruch. Hier können wir Herrn Beckmann also durchaus zustimmen.

Auch die Politik reagierte prompt darauf. So zum Beispiel Ole von Beust. Dieser ließ gleich laut verkünden, dass die Lehrpläne gekürzt werden sollten. Er ließ Pläne verlauten, den Lehrplan für Geschichte zum Beispiel, von 14 Seiten auf nur eine Seite zu reduzieren. Nun könnte man denken, die Last würde um ein Vielfaches reduziert werden. Doch damit liegt man leider weit daneben. Die Lehrinhalte werden nämlich nur durch „Kompetenzen“ ersetzt. Das hat zur Folge, dass die Lehrer scheinbar mehr Freiheiten haben. Doch trotzdem muss der alte Unterrichtsstoff behandelt werden. Immerhin müssen die Schüler auf das Abitur ( in vielen Bundesländern zentral ) vorbereitet werden. Und dass nun mal in 12 anstatt 13 Jahren.

Wir stellen fest, dass die Diskussion für jede Menge aufsehen sorgt. Hilft sie den Schülern auch? Wir sehen dafür zur Zeit keinen wirklich guten Ansatz. Die Verkürzung auf 12 Schuljahre war auch eine Sparmaßnahme. Möchte man dies nicht rückgängig machen und gleiche Inhalte vermitteln, um die Bildung weiter voranzutreiben, können die Schüler nicht entlastet werden.

Vielleicht verhält sich die Situation jedoch auch ganz anders. Erscheint uns das Schulsystem doch zuweilen stark angeschlagen, wenn nicht sogar „krank“. Fordern wir doch zum Wohle unserer Schulen ein fernbleiben aller Schüler. Denn womöglich machen ja einfach nur die Schüler die Schule krank?!

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Tags: Abitur, Angst, Beckmann, Bildung, Krankheit, Lehrer, Lehrplan, Politik, Schüler, Schulsystem, Stress, Stundenplan

7 Kommentare
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  1. “Abitur noch mit 13 Schuljahren ( naja manche brauchen wohl auch 14 oder 15 Jahre)”

    Das ist zu viel. Ich verstehe, dass sich die meisten Schüler in der Schule wohl fühlen und lieber länger als kurz dort bleiben, aber das ist zu viel.

    “Diese haben häufig mehr Unterricht als wir und behandeln Dinge teilweise 2 Klassenstufen eher. Unserer Meinung nach ein ganz schöner Leistungsanspruch.”

    “Mehr” und “früher” und “Leistungsanspruch” heißt nicht: zu viel, zu früh, oder zu großer Leistungsanspruch. Meint ihr das denn?

  2. Nein, so verallgemeinert würde ich das nicht sagen. Es muss sicher von Anfang an anders an den Unterricht herangegangen werden. So ein gestiegener Anspruch kann auch viele Vorteile mit sich bringen. Leistungsschwöchere Schüler könnten z.B. viel eher erkannt werden. In unseren Klassen schleppen sich seit einigen Jahren so manche Schüler mit, die meiner Meinung nach, nichts auf dem Gymnasium verloren haben Grade bei den hohen Zulaufszahlen die die Gymnasien haben sicher wichtig. Es ist eine Umstellung und ein höher Anspruch – durchaus aber mit positiven Effekten.

  3. In NRW ist es angeblich so, dass das 1. Schuljahr eingespart wird.
    Sprich: das Schuljahr, welches den Neuzugängen von der Realschule zur Anpassung dient. Und diese Schüler sollen dann meines Wissens beim Wechsel in die Klasse 10 eingeschult werden, damit sie die offenen Lücken (irgendwie) aufholen.

    Nach Aussagen von Gymnasiasten ist es zumindest derzeit so, dass sie sich in der 11. Klasse eher langweilen, weil dort ncihts neues passiert.

    Ich gebe aber zu, dass ich in den Gymnasialablauf nicht wirklich Einblick habe.

    Markus I

    P.S.: Zum Lehrplan sage ich jetzt mal nichts. Ich habe mich ja weiter unten schon geäußert. ;)

  4. Es spricht nichts gegen ein G8. Aber dann bitte ein strukturiertes und durchdachtes G8 und nicht so ein Chaos wie es aktuell z. B. in Bayern oder bestimmt auch in anderen Bundesländern herrscht. Da hilft es nix zu sagen: Oh wir waren in der Pisastudie schlecht, wir brauchen jetz unbedingt sofort verdichteten Unterricht. Damit macht man das Verhältnis Schüler-Schule und auch Lehrer-Ministerium kaputt. Viele Ideen sind gut, auch die etwas vergrößerte Freiheit im Lehrplan (wobei sich die einige Lehrer vorher auch so genommen haben – teils zwangsweise, teils einfach so). Aber die Gesamtumsetzung ist schlampig. Mehr Unterricht – ja. Möglichkeiten für Schülerspeisung – nein. Toll.

    Es gibt sicherlich viele gute Ideen, auch bei den Politikern, aber warum traut sich keiner zu sagen: OK, hier machen wir einen Schnitt und überdenken nochmal alles ganz neu. Und wir lassen uns und den Leuten die nötige Zeit dafür. Und wir sind bereit, auch das nötige Geld für die Bildung zu investieren. Oh, Geld ist dumm, weil Geld haben wir keins. Und Zeit is auch ganz schlecht, weil bald sind schon wieder wahlen. Es ist einfach zu viel Politik im Spiel ;-) (vielleicht bin ich da auch einfach aus meiner Erfahrung vorbelastet, auch möglich)

    Allgemein ist es vielleicht ein bisserl kompliziert, die einzelnen Bundesländer miteinander zu vergleichen, da doch die Schulsysteme teils sehr unterschiedlich sind.

  5. Ach ja, das wollte ich noch hinterherschieben, bevor mich nachher wieder jemand falsch versteht. ;)

    Ich finde auch, dass G8 (nach dem was ich weiß) ein typischer Schnellschuss ist. Wir machen erst einmal was. Ob es funktioniert, können wir uns später überlegen.

    Markus I

  6. G8 ist echt eine Katastrophe. Und diese “Bildungspläne” genauso. Die Lehrer sollen große Freiheiten bekommen, aber gleichzeitig sollen zentralsierte, möglichst bundesweite Tests geschrieben werden. Wie verträgt sich das denn?

  7. Willkommen in der G8-Wirklichkeit. Keine Ahnung wo die Schulkritik-Macher leben, aber diese Diskussionen führen wir in Bayern bereits seit Jahren. Lustig ist aber, das die liebe Staatsregierung, die als Sozi-Erfindung gegeiselte Ganztagsschule, nun durch die Hintertür einführt – div. Modellprojekte wurden gerade unbegrenzt verlängert. Die Forderung der Fachleute liegt seit Jahren auf dem Tisch, die selbstherrliche Verwaltung beherscht nichts so gut wie Ignorranz. Bessere Baussubstanz bei Schulgebäuden, kleinere Klassen, eigene Budgets, Nachmittagsbetreuung/kleine Lerngruppen, Hausaufgaben abschaffen, usw usw… Wenn Politik und Verwaltung kaputte Autos reparieren müssten, käme bei Diagnose Motorschaden erstmal ein neues Blinkerbirnchen rein.

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