Privatschulen auf dem Vormarsch
Jan 30th, 2008 | Von ArtieS | Thema: SchulsystemeAm gestrigen Nachmittag veröffentlichte die Statistik Austria ein paar Zahlen, die zum Nachdenken anregen sollten.
Zwischen 1500 bis 3000 Euro berappen viele Eltern im Jahr, um ihre Kinder an einer Privatschule unterrichten zu lassen. Österreichweit 9 Prozent wählen derzeit diesen kostspieligen Weg, an der AHS sind es 15, an den berufsbildenden mittleren Schulen 22 Prozent.
Schon vor einigen Jahren zeichnete sich die kommende Beliebtheit der Privatschulen in Österreich ab, aber das Bildungsministerium reagierte bis heute nicht mit Veränderungen.
Aber man darf die Augen nicht vor der Wahrheit verschließen. Was bedeutet der Boom der Privatschulen denn eigentlich?
Einfach gesagt, die Väter und Mütter in Österreich haben das Vertrauen in das öffentliche Schulsystem verloren und suchen zwanghaft nach einer Alternative. Die als sicher, flexibel und beliebt geltenden Privatschulen sind die einzige Möglichkeit, aus dem öffentlichen Schulsystem zu fliehen. Jedenfalls auf den ersten Blick. Aber dazu später mehr.
Ob es in Österreich wirklich einen “Boom” gibt, ist schwer zu sagen. Sicher ist jedoch, dass jeder 10. eine Privatschule besucht und egal wie die Wachstumsraten sind, dies zeigt, dass Privatschulen stark an Beliebtheit gewonnen haben.
Wie sieht die Situation aber in Deutschland aus?
Vor ungefähr zwei Jahren berichtete Spiegel Online darüber, dass “Privatschulen boomen“. In den vergangenen 10 Jahren sei die Zahl der Privatschüler von 120.000 auf 600.000 angestiegen, so Spiegel.
Weiter gibt man an, dass dies höchstwahrscheinlich mit dem schlechten Abschneiden der Deutschen im Pisa Test sowie dem allgemein eher negativen Ruf des öffentlichen Schulsystem zutun habe.
Die “Zeit” dementiert den von Spiegel angegeben Boom und zeigt hier auf, dass der Anstieg seit Jahren regelmäßig von statten geht und daher kein Run auf Privatschulen stattfindet. Ob das mit der mangelnden Kapazität zusammenhängt, oder die Medien aus der Maus einen Elefanten gemacht haben, sei einmal dahingestellt.
Viel Interessanter ist die Tatsache, dass man viel öfter von Freunden und Bekannten hört, dass sie mit dem Gedanken spielen, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken, da sie nicht zufrieden mit dem unflexbilen Schulsystem sind.
Die stetig steigenden Zahlen beweisen zwar, dass es keinen Boom gibt, aber die Nachfrage ist konstant. Nicht vergessen sollte man auch die nicht geringe Anzahl derer, die sogar so unzufrieden sind, dass sie für einen Schulabschluss ins Ausland gehen.
Doch was bringt es, vor dem Schulsystem, dass uns alle umgibt, zu fliehen? Nur weil hinter eine Privatschule nicht der Staat steckt, heist das noch lange nicht, dass dort bessere Zustände herrschen. Vergleicht man die Leistungen während der Pisa Studie, schneiden Privatschulen leistungstechnsich kaum besser ab. Tatsache ist, dass Schüler dort aus gehobenen Sozialschichten kommen und der Umgang nicht so schwierig sein sollte. Aber auch dies ist ein Fliehen vor der Situation.
Vielmehr sollte man sich der Aufgabe stellen, nicht-deutsche Schüler und Familien besser zu integrieren um für einen besseren sozialen Umgang sorgen.
Natürlich ist der Staat, die Regierung haupsächlich dafür verantwortlich, aber dahinter stehen auch nur Menschen. Und zwar Menschen, die eine Schule noch nie von innen gesehen haben, übertrieben ausgedruckt.
Aber die Eltern dürfen die Verantwortlichkeit nicht nur auf den Staat schieben. Nur direkt kann man etwas verändern und so sollte man, bevor man sein Kind auf eine Privatschule schickt, erst einmal nachdenken, was man als Elternteil selbst hätte machen können, um Schule nur ein kleines bischen besser zu machen. Denn von alleine lösen sich die Probleme nicht.
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Und was machen die Eltern, wenn sie Schule “ein kleines bischen besser” machen wollen und sich ein wenig im staatlichen Schulsystem umgesehen haben? – Sie gründen selber eine Schule. Ein gutes Beispiel dafür ist die Freie Schule Angermünde.
Ohne die Konkurrenz durch Schulen in freier Trägerschaft (vulgo: Privatschulen) ändert sich in den Staatsschulen kaum etwas.
Was aber dringend nötig wäre, wäre eine gleichberechtigte Finanzierung staatlicher und nicht-staatlichen Schulen. Dann wäre ein Großteil der nicht-staatlichen Schulen nicht mehr darauf angewiesen, Schulgeld zu erheben. Kinder aus einkommensschwachen Familien sollten die gleiche Chance haben, nicht-staatliche Schulen zu besuchen wie Kinder wohlhabender Eltern.
>>Aber auch dies ist ein Fliehen vor der Situation.<>Vielmehr sollte man sich der Aufgabe stellen, nicht-deutsche Schüler und Familien besser zu integrieren um für einen besseren sozialen Umgang sorgen.<<
LOL!! Gibt es noch bessere Beispiele für das Versagen der Eliten? Oder wer soll dieser “man” sein? Doch nicht ernsthaft die Millionen von Eltern, die in einem (oft genug) praktisch nicht deutschsprachigen Umfeld in Kiga und Schule, die Chancen für den Nachwuchs schwinden sehen und Qualität einfordern?
Sorry, dieser Beitrag strotzt nur so von Ahnungslosigkeit. Hier spricht ein Aussenstehender, einer der kein bisschen wirklich selbst betroffen ist. Wahrscheinlich ist die eigene Zukunft schon in trockenen Tüchern.
Davon abgesehen: Wo ist jetzt in dem Text eigentlich eine Ursache für die sog. Flucht versteckt? Ausser dem Migrantenproblem habe ich nichts gefunden. Und so bleibt nur diese unterschwellige Unterstellung, Eltern machten es sich schön leicht mit der richtigen Schulwahl. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade der Entscheidung für eine andere Schulform geht eine intensive Beschäftigung mit dem öffentl. System voraus. Oder es wurden eben einschlägige Erfahrungen beim pers. Engagement gemacht.
>>Aber auch dies ist ein Fliehen vor der Situation.<<
LOL!! Da fährt eine versagende Elite aus Politik und Verwaltung die Bildungs-Karre in den Dreck und Otto Normal soll sie wieder rausziehen. Das ist kein fliehen, das ist eher “macht euern sch. doch ohne uns”. Die Entsolidarisierung habe _ich_ nicht erfunden. Aber wenn ich sie auch mal auslebe, bin ich gleich der Buhmann.
Ah, wenn man den genannten ZEIT-Artikel aufmerksam liest, findet man genau die Antworten, die einem hier (aus reiner Polemik) vorenthalten werden:
>>Für eine Gruppe lohnt sich »die Private« aber auf jeden Fall: Mädchen, die eine Realschule besuchen, insbesondere eine reine Mädchenschule. »Sie zeigen zum Teil Leistungen, die an jene der Schülerinnen eines durchschnittlichen staatlichen Gymnasiums heranreichen«, <>Die Quote der Sitzenbleiber ist geringer<>die Schüler fühlen sich im Allgemeinen besser gefördert<>die Bindung zwischen Lehrern und Schülern stärker<>Vermittlung eines verbindlichen Wertekataloges im Vordergrund<<
Was haben diese Gründe also bitteschön mit “Flucht” zu tun? Denk mal nach.
Zum letzten (versprochen!): Man könnte die ZEIT auch zitieren mit der Aussage, dass die Zahl der Privatschüler von 1992 bis 2004 um etwa 35 Prozent zugenommen hat. Das halte ich für sehr bemerkenswert.
Ist ja wohl auch kein Wunder, bei der Verschlechterung der staatlichen Schulen. Selbst an den Unis sitzt man mittlerweile am Fußboden, weil Platzmangel herrscht.
Ich freu mich schon auf die Zusammenlegung der Schulen.
Lehrer würden normalerweise Sturm laufen, aber die Maulkorb-Verordnung zwingt zum Schweigen.
Außerdem wurde der Ruf der Lehrer durch die Arbeit unserer tollen Klatschblätter schwerst beschädigt.
Der Ruf der deutschen Lehrer ist im Keller! Vielleicht kann spickmich da etwas verbessern ( wahrscheinlich nicht ).
Hier auch mal was interessantes über Privatschulen, bei wordpress gefunden:
http://jungemedienhamburg.wordpress.com/2008/01/15/das-problem-mit-den-waldorfschulen-und-die-padagogik-rudolf-steiners/
Lieber Holzi,
Du hast schon Recht, mit der Schulwahl ziegen Eltern auch Engagement. Aber warum sollte die Situation auf Privatschulen anders sein, wenn Eltern nicht aktiv mitgestalten?
du sagst selbst, die Eliten versagen. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Aber wenn diese versagen, dann müssen eben mal die betroffenen Eltern sagen, was sie denken.
Ich frage mich, wieso du mir so stark wiedersprichst. Immerhin sage ich ja, dass Politik und Verwaltung Schuld sind. Aber ich denke, wenn viele Eltern sich aktiver für ihr Kind einsetzen würden, dass sähe die Sitaution schon ziemlich anders aus. Denn die Probleme sind da und lösen sich auch nicht in Luft auf, wenn einige das Schulsystem verlassen.
Wie ich beschrieben hab, ist die Zahl der Privatschüler stark angestiegen, ich weis nicht, wieso du darauf nochmal eingehst.
[...] uns bereits mit dem Kommerz in Schulen, vor einigen Wochen berichteten wir über dem aufstrebenden Trend der Privatschulen. Im Folgenden möchte ich auf einen Artikel aus dem Focus Magazin 5/08 eingehen. In diesem wird [...]