Unsere Meinung: die Sudbury-Schule
Feb 9th, 2008 | Von Aspire7#Admin | Thema: Schulsysteme, Sudbury
In der Vergangenheit berichteten wir hier und da bereits von der Sudbury-Schule. Einem sehr alternativem Schulsystem aus Amerika. Dieses Schulsystem wird im Allgemeinen auch als „demokratische Schule“ bezeichnet, da die Schüler hauptsächlich selbst den Schulalltag gestalten.
Doch was halten eigentlich die Autoren von Schul-Kritik von dem Ganzen? Wir wollen euch das nicht vorenthalten. Hier also unsere wie immer knallharte,unzensierte Kritik:
Ein solches Schulsystem hat uns in aller erster Linie neugierig gemacht. Ein normaler Effekt. Schließlich scheint der Schüler hier über ungewohnte Macht zu verfügen, die man in unserem jetzigen Schulsystem sicher so nicht hat. Für uns als Schüler stechen hier als erstes natürlich ungeahnte Freiheiten, wenig Stress mit den Lehrern, bessere Zeiteinteilung und ein gesünderes Schulklima hervor.
Jedoch wirft dieses System auch Fragen auf: funktioniert es wirklich so wie es gedacht ist? Modellprojekte meinen ja, auch hier in Deutschland wurden erste Sudbury-Schulen gegründet oder Schüler nahmen das ganze selber in die Hand. Für uns ist es zunächst einfach schwer vorstellbar in einem solchen System unseren Schulabschluss zu machen, einfach weil es sehr gegensätzlich zu unserem jetzigen System ist. Für mich als Schüler besteht anfängliche Skepsis, ob gerade jüngere Schüler dieser Verantwortung gewachsen sind. Diese sind wohl aber einfach dadurch zu erklären, dass man es einfach völlig anders gewohnt ist.
Der zweite Punkt ist: wie lässt sich ein solches Sudbury System in unseren Schulalltag integrieren?
In Zeiten mit Vergleichsarbeiten und Zentralabitur ist das zunächst schwer denkbar. Denn Schüler sollen auch teilweise die Lerninhalte selber festlegen.
Trotzallem hat dieses System und vorallem ein Kommentar, sowie dieses Interview auf das System neugierig gemacht. Wir sind gespannt wie sich das System in Zukunft hier zu Lande verbreiten wird und ob es Zukunft hat. Dabei sind wir gerne bereit Initativen zu unterstützen um den Weg für dieses System zu ebnen, sodass vielleicht in Zukunft mit besseren Methoden gelernt werden kann.
Ähnliche Beiträge:





Zum ersten Einwand: Interessant, wie relativ Ältere skeptisch sind, ob “Jüngere” mit der “Freiheit” umgehen können. Man selber definiert sich, vor allem als Heranwachsender, als autonomer und selbstverantwortlicher Mensch, aber fast alle, die altersmäßig über einem stehen, meinen, man sei noch nicht so weit und könne mit “so viel Freiheit” noch nicht umgehen. Ab wann ist man denn eigentlich “so weit”??
Zum zweiten Einwand: Ich denke, man muß den Alltag der Schule davon entlasten, dass man als Schüler in einer permanenten Prüfungssituation lebt und die Lehrer viel Zeit damit verbringen, Prüfungen vorzubereiten, abzuhalten, zu korrigieren und die angeblich objektiven Ergebnisse zu verteidigen. Warum nicht in größeren Abständen externe Prüfungen? Die Reformschulen in Deutschland (z.B. Helene-Lange-Schule, Laborschule Bielefeld usw) haben doch gerade gezeigt, dass ihre in Eigenverantwortung und Selbständigkeit geübten Schülerinnen und Schüler erfolgreich, wenn nicht sogar erfolgreicher als “normale” Schüler bei solchen Prüfungen abschneiden können. Und beide Schulen sind keineswegs “Eliteschulen” sondern haben eine ganz normale Schülerklientel.
Noch interessanter ist es, daß z.B. Summerhill keine älteren Schüler mehr aufnimmt, weil die zu unflexibel sind, um sich auch so ein freiheitliches System umzustellen.
Außerdem gibt es in Deutschland z.B. die Grundschule Harmonie, in der das zwar nicht genau wie in Sudbury, aber doch auch sehr freiheitlich läuft- zumindest was das Lernen betrifft. Und da beweisen gerade die jungen SchülerInnen, daß sie ganz hervorragend mit dieser Freiheit umgehen können.
Schließlich gibt es noch das Konzept von Falko Peschel: Offener Unterricht, der ebenfalls sehr gute Erfolge mit einem wirklich selbstbestimmten Lernen in der Grundschule erzielt. Auch dort lernen die Kinder begeistert das was sie wollen und nicht, was sie sollen. Und es ist nicht nur gut für Kinder aus bildungsinteressierten Familien, sondern auch für Kinder aus sog. ‘bildungsfernen Schichten’. Solche, die schon ausgesondert waren und bei ihm eine Chance bekamen, konnten sich gut mit diesem Konzept zurecht finden (Originalkommentar eines solchen Schülers zu Klassenkammeraden über den etwas anderen Unterricht: Ihr wißt ja gar nicht, wie gut ihrs habt!) und brauchten nicht zur Sonderschule.
Ich weiß gar nicht, warum man immer wieder diese Art des Lernens in Zweifel zieht. Sind denn die Ergebnisse des Regelsystems so überzeugend? Wenn ich mir PISA ansehe: Nein, wenn ich mir die Werteentwicklung in der Gesellschaft in der BRD ansehe: Nein. Dabei haben wir doch seit 1949 ein Schulsystem mit funktionierender Schulpflicht.
Jede Gesellschaft hat nicht nur die Regierung, die sie verdient, sondern auch die Jugend, die sie großzieht!!
Wir haben doch längst eine Parallelgesellschaft – allerdings am anderen Ende – nicht unten, sondern oben.
Jürgen
“funktioniert es wirklich so wie es gedacht ist?” Das ist einfach zu beantworten – das tut es bereits. Was eher die Frage ist, ob ein Demokratisches Schulleben in unsere Gesellschaft hier in Deutschland passt. Eine Demokratische Gesellschaft sind wir nämlich noch lange nicht. ups … böse Meinung
Ich bin für mehr Vielfalt unter den Schularten.
Egal auf welcher Schule man war, das Abitur kann man als externer Bewerber ablegen (acht Prüfungen, vier mündlich, vier schriftlich, nicht ganz einfach).
Ich bin auf jeden Fall für solche zentralen Abschlüsse. Wer ihn haben will, muss das Verlangte bringen, egal, wo er gelernt hat.
Ein Problem: Wenn ich mir viele Wünsche von Jugendlichen und Eltern anschaue, dann zielen diese darauf ab, auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Nix Informatik-Grundlagen, Bedienung von Word wollen sie lernen. Nix Nathan-Lesen, weil wozu kann ich das denn später brauchen?
Habe einen 13-jährigen Schüler gefragt – nach der Betrachtung der Sudbury-Doku von M.Wilke und H.Graner, ob er sich das vorstellen könne, selbstorganisierter Unterricht, antwortete er, dass wahrscheinlich keiner am Unterricht teilnehmen würde. Nun hat derselbe Junge aber lange Zeit seinen vielbeachäftigten Onkel genervt, bis dieser eines Sonntags zu Besuch kam un ihm endlich den Gebrauch eines speziellen PC-Programms zu zeigen.
Dass er sich auf diese Weise Unterricht selbstorganisiert und dazu noch interessierte Freunde einlud, fiel ihm selbst gar nicht auf.
Selbstbestimmtes Lernen ist wie der Geschmack von Salbei oder Lakritz oder oder – wenn man es nicht probiert hat, dann weiß man nicht, ob man es mag.
Es ist sehr traurig, dass dieser 13-Jährige Junge nie gelernt hat, wie schön es ist zu lernen. Das er nie erkannt hat, dass wenn man etwas erreichen will was man sich gerne Wünscht selbst den Weg dort hin finden muss. In diesem Stadium der “erziehung” ist ein wechsel auf eine Sudbury schule natürlich auch nicht (ohne weiteres) möglich.
Ich kenn das verhalten. Die einzige Rettung für solche Leute ist meist ein Sprung ins kalte Wasser – auf sichs selbst gestellt zu sein und das schöne darin erkennen.
Am Montag den 18.02.2008 gibt es in Berlin eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über Demokratische Schulen mit Isaac Graves: http://kraetzae.de/home/isaac_graves/