Kleine Klassen sind klasse
Jan 21st, 2008 | Von Aspire7#Admin | Thema: UnterrichtWährend Lehrer und Eltern zumeist einhellig bestätigen, dass eine kleine Klasse eine ebenso grundlegende wie notwendige Bedingung für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit sei, bescheinigen deutsche Schulforscher der Klassengröße für die Leistungsentswicklung von Schülern eine bestenfalls untergeordnete Rolle.
Dieses Zitat stammt aus einem Artikel, welcher sich ausführlich mit Studien zu Klassengrößen beschäftigt. Und Studien sind ja immer schön und gut und vor allem richtig, oder?! Nein, wir Schüler halten diese für wenig aussagefähig. Wir haben nämlich ein ganz anderes, selbstverständlich viel richtigeres Bild vom Ganzen und das liegt ausnahmsweise nicht daran, dass wir chronische Besserwisser sind. Befinden wir uns doch meistens in abweichenden Situationen. Unsere Erfahrungen mit unterschiedlichen Klassengrößen zeigen jedoch ein eindeutiges Bild.
An unseren Schulen variieren die Anzahl der Schüler in den Klassen/Kursen in etwa zwischen 16 bis 34, was ja doch eine relativ große Spanne ist. Alle Autoren haben bereits in Klassen mit vielen Schülern, als auch Kursen mit wenigen Schülern Erfahrungen sammeln können. Wir sind also richtige Experten auf dem Gebiet, und denken das diese Erfahrungen mehr wert sind, als jede noch so tolle Studie.
Dabei können wir zu dem grundlegenden Ergebnis kommen, dass wir bessere Erfolge in Klassen mit wenigen Mitschülern erreichen konnten.
Dies zeigt sich für uns in mehreren Punkten, denn zum Einen ist die Konzentration in einer Klasse mit wenigen Schülern wesentlich höher. Wir Schüler müssen mehr aufpassen (wobei Schüler ja eigentlich immer aufpassen, oder?!), da wir jederzeit aufgerufen werden könnten. In einer Klasse mit vielen Schülern ist es sehr leicht sich zu „verstecken“, zu träumen,und den Unterricht an sich vorbeigehen zu lassen (machen wir nie). So ermöglichen kleine Klassen auch bessere Möglichkeiten der mündlichen Mitarbeit. Der Lehrer kann den Schüler öfter aufrufen, dieser kann sich besser im Unterricht einbringen. Auch herrscht meist eine privatere, persönlichere Atmosphäre was den Lernerfolgen zugute kommt.
Offensichtlich ist wohl, dass in einer kleinen Klasse die Schüler besser gefördert werden können, da normalerweise für jeden Schüler mehr Zeit zur Verfügung steht. Auch Wissenslücken können einfacher bemerkt werden.
Grundlegend ist jedoch, dass der Lehrer sich auf die Klassengröße einstellen muss. Zieht der Lehrer sein übliches Programm durch ( wie man dass so von den Beamten kennt), ist es unwesentlich ob 20 oder 30 Schüler im Raum sitzen. Es ist sicher auch möglich guten Unterricht zu halten mit 30 Schülern. In manchen Fällen könnte die hohe Zahl sogar Vorteile haben. Doch muss der Lehrer auch dann mit den Methoden variieren, wenn er kleine Klassen hat, damit wirklich bessere Ergebnisse erzielt werden.
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Bei kleinen Gruppen ist das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrkraft ganz anders, ihr habt es ja geschrieben, die Schüler können besser gefördert und gefordert werden. Es kommt aber noch was dazu: Man kommt viel schneller durch den Stoff. Begründung: Wenn jemand Probleme hat, können die gleich ausgemerzt werden, der Lehrer kann sich sicher sein, dass es alle verstanden haben. Zudem ist natürlich das “Hintergrundrauschen” in großen Klassen größer als in kleinen, was natürlich die Aufmerksamkeit wieder hemmt.
Außerdem kann man als Lehrer den Unterricht auch besser variieren (stichwort: innovativer Unterricht); wenn man versucht, eine Diskussion auf Englisch mit 35 Schülern zu machen, merkt man schnell, was ich meine.
Wir waren damals in unserem Mathe-LK 6 Leute und man merkt einfach, dass es schneller vorangeht, Ebenso in der 11. Klasse in der Lateinklasse, als viele Latein abgelegt haben. (wobei hier natürlich noch der Aspekt dazukommt, dass meistens nur die (zumindest halbwegs) interessierten übrig bleiben).
So und trotzdem werfe ich mal wieder was in den Raum: Auch große Klassen haben einen essentiellen Vorteil: Sie schulen die Persönlichkeit. In großen Klassen gibt es immer Konflikte, und auch das müssen Schüler lernen: Konflikte selbstständig zu lösen, mit Gruppendynamik und auch -zwang klar zu kommen und seinen Platz in der Menge zu finden. Und sowas lässt sich nicht durch Theorie verbreiten, das sind allesamt praktische Erfahrungen (die am Besten auf Klassenfahrten gemacht werden könnten, aber die werden auch immer mehr zusammengestrichen…). Also geht es um den Kompromiss: Besserer Lernerfolg vs. prägen der Persönlichkeit. Wann ist das Verhältnis ausgewogen?
Ich stimme DJH zu, dass auch große Lerngruppen Vorteile haben, denke aber auch eher in Richtung klein = besser. Es wäre vielleicht sinnvoll, Abwechslung zu haben, um zum Beispiel in einem Fach mal 10 Leute zu haben und im anderen 26, wobei Kurse mit weniger Leute meiner meinung nach aber im Vordergrund stehen sollten.
In den Klassen, in denen Gruppendynamik und Gruppenzwang eine Rolle spielen (was im Grunde nur die Mittelstufe ist, in der Oberstufe ist man ja Semi-Erwachsen und sollte mit sowas schon umgehen können), hat die Klassengröße imo eher weniger mit dem Klassenerfolg zutun.
@DJH: Aber was, wenn es nach hinten losgeht? Wenn die Lehrer die enorme Verantwortung für ihre Klasse nicht überschauen oder einfach keinen Blick für sie haben?
Bei einer hohen Schülerzahl geht man schnell unter, da kann monatelang ein Schüler gemobbt werden und niemand bekommst es mit. Dies hat in Deutschland schon zu Selbstmord geführt. Ich persönlich denke, dass gerade durch eine geringe Schülerzahl eine bessere PErsönlichkeitsentwicklung möglich ist, da viel “intimere” und vertraulichere Beziehungen untereinander geführt werden können.
@Alex: Wär schön, wenn du uns das begründen könntest
Ich würde nicht so schnell die Ergebnisse seriöser Untersuchungen mit einem “wir Schüler halten diese für wenig aussagefähig” beiseite schieben. Tatsache ist, dass die eigene Wahrnehmung oft trügt und dass manche Zusammenhänge wider die Intuition sind. “Anecdotal evidence” ist nicht viel wert, aber enorm überzeugend.
(Allerdings gibt es auch Studien, die nicht sorgfältig genug angelegt sind, und weitere, die falsch interpretiert werden, und das nicht unbedingt von den Autoren.)
Meine eigene Erfahrung: Ich hatte schon viele Klassen, große und kleine. Ich hatte gute und schlechte Klassen, und das in vielen Kombinationen, und zwei Jahre später konnte die Klasse, bestehend aus fast denselben Schülern, schon wieder ganz anders sein. Kleine Klassen können weit unruhiger sein als große. Vielleicht macht die Klassengröße tatsächlich einen Unterschied, will heißen, wenn sonst alles gleich ist, dann sind 20 Schüler besser als 30. Aber es gibt andere Faktoren, die viel entscheidender sind, was Stimmung und Lernfortschritt betrifft.
Bei solchen Untersuchungen kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Glaubt den Unsinn tatsächlich irgendjemand der wirklich täglich in der Klasse steht? Anyone? Nein?
Seltsam.
Ich halte die Sache für viel einfacher als man weithin vermutet:
Es gibt einen prozentualen Anteil von Idiotenschülern innerhalb der Schülerschaft. Der Anteil variiert z.B. nach Schulform, der Jahrgangsstufe oder auch nach Fach.
Einzelne Deppen federt die Klassengemeinschaft ab. Der Lernfluss wird also nicht durch Mätzchen, Störungen, Generve, Kommentare, etc. negativ beeinflusst.
Finden sich aber mindestens zwei Honks in einem Kurs wieder, verstärkt sich der mögliche Störoutput wie eine Art Synergieeffekt und resultiert für alle (auch für die Motivation des Lehrers, die niemals außer Acht gelassen werden sollte) in einem suboptimalen Klasssenklima.
Was daraus folgt ist dies: Je höher die Klassengröße, desto höher die Chance der Deppendichte. Je höher die Chance der Deppendichte, desto höher die Wahrscheinlichkeit auf Störungen des Stundenverlaufs und des Lernflusses.
Also liebe Schüler, für euch heißt das (übrigens genau das, was ihr schon vorher vermutet habt):
Kleine Klassen = besser!
Große Klassen = schlechter!
Lasst euch bitte nichts anderes von irgendwelchen Untersuchungen erzählen, sonst sitzt ihr demnächst nämlich schon in der 5. Klasse im Hörsaal.
Ich sage es ja immer wieder: die beste Bildungsreform wäre die Reduzierung des Klassenteilers von 33 auf 23.
Diese weit verbreitete Ansicht, an der sicher auch etwas Wahres ist, zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein der Lehrerschaft: Gebt uns weniger Schüler, dann richten wir das schon. Ich weiß nicht, ob das so einfach ist. Wenn ich mir meine Schule anschaue und mir vorstelle, jeder Lehrer hätte zehn Schüler weniger in der Klasse – dann weiß ich nicht, wie besser der Unterricht und wie größer der Lernerfolg durch diese Änderung würde.
Eine kurze Zusammenfassung der McKinsey-Studie “How the world’s best-performing school systems come out on top” gibt es freundlicherweise bei shift zu lesen. Dort steht auch etwas über Auswirkungen der Klassengröße.