“Schulpflicht ist richtig!” und andere Irrtümer

Apr 23rd, 2009 | Von ArtieS | Thema: Bildungsfreiheit

Die Tatsache, dass Unschooling in unserer heutigen Zeit in der breiten Öffentlichkeit häufig falsch verstanden wird, dürfte viele Unschooler/Freilerner nicht mehr vom Hocker reißen.

Dennoch würde ich gerne im Folgenden auf einen Artikel, veröffentlicht in Zeit Online, genauer eingehen. In diesem wird die Wichtigkeit der Schulpflicht angepriesen und Unschooling demnach natürlich durchgehend negativ bewertet.

Lernen Homeschooling

Der erste Absatz brachte mich jedoch gleich zum Lachen:  “Doch Schulpflicht ermöglicht auch Freiheit”, heißt es da.

“Lernen kann man überall. Aber Schule bietet noch mehr”, so der Untertitel des rechts angezeigten Bildes.

Die Antwort, was Schule den Schülern denn mehr bietet, bleibt uns der Artikel nicht schuldig.

Nämlich “individuelle Entfaltung und ihre eigene persönliche Freiheit. Sie kann durchaus über die Visionen ihrer Eltern hinausgehen.”

Der Staat wird als freiheitlicher Schützer und Bewahrer des Wissens gepriesen, während die Familie als potentieller Feind in direkten Gegensatz zur Schule steht.

Richtig stellt Sadigh fest, dass es nicht nur religiöse Fanatiker (sic!) sind, die Unschooling betreiben, sondern auch Kinder, die die “Massenanstalt Schule nicht zurecht” kamen oder dem Schulsystem misstrauen.

Nun schleudert sie dem Leser in ihrer ganzen rhetorischen Gewandheit zwei Fragen entgegen, die sie dann auch niederschmetternd zu beantworten weiß.

“Schränkt die Schulpflicht also gegen die persönliche Freiheit des Einzelnen unbotmäßig ein? Ist sie nicht mehr tauglich für eine Demokratie, in der der Individualismus gefördert wird?”

Nein, ist dann natürlich die Antwort.  (Mal abgesehen von der Frage, ob in unserer Demokratie der Individualismus überhaupt gefördert wird)

“Es geht nicht um die Freiheit der Eltern, sondern um das Wohlergehen der Kinder.” ist dann auch der Schlüsselsatz, der das Fass irgendwie zum Überlaufen bringt. Wie bitte?!

Hier wird suggeriert, dass das eine das andere ausschließt. Nebenbei geht der Artikel von der falschen Annahme aus, zu Hause unterrichten würde im klassischen Sinne des Lehrens und belehrt werdens ablaufen.

Die Entwicklung von Eigenverantwortung traut die Autorin Kindern, die zu Hause in Bildungsfreiheit aufwachsen, nicht zu.

“Und wie soll man Ideologen und Fundamentalisten daran hindern, ihre Kinder zu verdrehen?” Was ist die Staatslehre, wenn nicht Ideologie und Fundamentalismus? Fundamentalistisches Denken zieht sich durch das gesamte Bildungssystem, anders kann ein Staat wie unser gar nicht funktionieren. Ein demokratischer Staat DARF seine Bürger eigentlich nicht mal staatlich unterrichten. Denn damit öffnet er Manipulation Tür und Tor und kann über Indoktrination beeinflusse. Dies widerspricht aber den “gewollten” selbst denkenden und selbstbestimmten Wählern und Bürgern als Zielt einer Demokratie.

Während Homeschooling für Individualismus und eine intakte Familienbeziehung sorgt, private & soziale Netzwerke stabilisiert, die Persönlichkeit der Menschen durch frei gewählte Beschäftigungen festigt, Lernen mit Leben gleichstellt ( Lernen ist Leben, alles andere ist Illusion, die durch unser Schulsystem intakt gehalten wird) fördert die Schulpflicht Zwangsdenken, negative Gedanken zum Thema Lernen, Unterwürfigkeit, Fremdbestimmtheit, politische & soziale & gesellschaftliche Gleichschaltung, Passivität, Schubladendenken und Gewalt.

Schule manipuliert auf vielen Ebenen. Die im Zeitartikel zitierte “individuelle Entfaltung und ihre eigene persönliche Freiheit” ist reinste Propaganda, denn genau diese individuelle Freiheit ermöglicht erst Homeschooling. Wie kann bitte die Pflicht, eine Schule besuchen zu müssen gleichgesetzt werden mit Freiheit? Wie kann man in einem Satz gleichzeitig von Pflicht und Freiheit sprechen? Das ist einfach paradox.

“Die Schule ermöglicht es, viele Menschen und Sichtweisen kennen- und akzeptieren zu lernen und neue Talente zu entdecken.” Ach und dies ist ein Schulmonopol? Hier schafft man eine Institution fern jeglicher Realität und spricht der Realität des Lebens alle positiven Eigenschaften ab. Wo nimmt denn Schule seine Einflüsse her? Ja, direkt aus dem Leben, da kommen doch die Menschen und Sichtweisen her. Und da gibts diese sogar im Überfluss, frei auszuwählen.

Nicht wie in der Schule, wo man aus 20-30 Gleichaltriger soziale Kontakte auswählen kann. Währenddessen führt Homeschooling zu einer Vielzahl von Kontakten in allen Altersbereichen. Kurz: Es befreit einen von der Vorstellung, Freunde müssen immer im gleichen Altersbereich liegen.

Die Vorteile des Homeschooling überwiegen deutlich einige mögliche Nachteile, die aber in den Medien meistens hochgepusht werden (wenn das Thema mal behandelt wird). Niemand sagt, dass der Staat Schule abschaffen soll. Gerade sozial problematische Familien sollten weiterhin die Möglichkeit auf eine staatliche Schule haben. Aber lasst uns die Freiheit der Wahl! Denn, auch wenn es die deutsche Bildungspolitik noch nicht begriffen hat, es gibt in diesem Land noch tatsächlich Menschen, die frei und selbstständig denken können und eben diese Entscheidung für sich treffen. (Nichts gegen jene, die sich für staatliche Schulen entscheiden)

“Je mehr Ideen, Überzeugungen, aber auch Alltagserfahrungen und Moden man (die Eltern) ihnen (den Kindern) jedoch vorenthält, umso schwieriger wird es für sie, eine eigene Meinung zu entwickeln und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.”

Dieses Zitat aus dem Zeitartikel war als Anklage gegen die Eltern gedacht. Jedoch widerspricht sich dieser Satz ironischer Weise selbst. Denn Alltagserfahrungen, Ideen und Überzeugungen werden allein von der Schule vorenthalten. Und damit hat die Autorin recht: Dann wird es ziemlich schwer, eine eigene Meinung zu entwickeln und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Denn wer die Freiheit des selbstbestimmten Lernens genießt, bleibt garantiert nicht einfach den ganzen Tag in seinem Zimmer unter der “Propaganda” der Familie sondern geht kommunikativ und selbstbewusst auf Gleichgesinnte zu und knüpft Kontakte.

Wie sollen Eltern in guter sozialer Stellung, die ihre Kinder im Übrigen meistens lieben und eine beste Erziehung vorantreiben wollen, unfähig sein, ihr Kind bis zur Reife zu unterstützen?

Wie soll ein Staat, der seine Kinder nichtmal kennt, fähig sein, ein Kind bis zur Reife zu unterstützen?

———–

200 Gründe gegen Schulpflicht (1000Sunny’s Weblog)

Schule als Potemkinsche Institution

Homeschooling in Deutschland (Überblick über derzeitige Situation)

Eine Schulpflicht gibt es nicht

Bildung in Freiheit – die Initiative ergreifen

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Tags: Behörden, Bildung, Bildungsfreiheit, Bildungspolitik, Eltern, freies lernen, Homeschooling, illegal, Kritik, Politik, Schüler, schulpflicht, Schulsystem, schulzwang, Unschooling, Unterricht zu hause

15 Kommentare
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  1. Es lebe das Lernen – es lebe die Freiheit!
    Um weniger überzeugte zu beschwichtigen: Es geht hier (und uns) nicht um die Abschaffung der Schule sondern um die Freiheit des Einzelnen auf seine Art und nach seinen Interessen zu lernen. Und so lange die staatliche Umsetzung von Schule nicht in der Lage ist auf die individuellen Arten und Interessen der Schüler einzugehen, bietet sich den Schülern nur das Lernen ohne Schule. Das ist keineswegs eine schlechtere Bildung – jedoch werden diese Schüler in Deutschland verfolgt wie zu Zeiten der Hexenverbrennung.

    Es ist nicht die Institution Schule, gegen die wir rebellieren – Schulen könnten Zentren des Wissens sein an denen Kinder in Schutz und mit jeder Unterstützung wachsen können. – Und keine grauen Gebäude!

    Wie lange sind wir noch Gefangene jener Leute, die eigentlich unsere Freiheit schützen sollten – und nicht uns vor der Freiheit!

  2. Da bin ich ja wohl beim richtigen Blog gelandet. Ich bin schon seit einiger Zeit der Meinung, dass die staatliche Zwangsschule die individuelle Bildung verhindert. Daher bin ich ein extrem großer Gegner von Ganztagsschule. Ich kann nur immer wieder betonen, dass ich mit der Ganztagsschule nicht den Stand hätte, den ich mir nun selbst titulieren kann. Ich bin Einzelunternehmer als Web-Entwickler (neben der Schule) und versuche mich auf meinen schon lang entschiedenen Studiengang vorzubereiten, während ich für mich eher nutzlose Kurse besuchen muss. Zu meinem Leidwesen wurde die freie Wahl in der Oberstufe vor kurzer Zeit auch noch massiv eingeschränkt, sodass ich 75% meiner Kurse schon vorgeschrieben (Deutsch Kernkompetenzfach, Mathe Kernkompetenzfach, Geschichte, Sport, Politik, Erdkunde, …) oder eine eingeschränkte Wahl diktiert bekam (Kunst oder Musik, 2 aus Chemie / Biologie / Physik, …).

    Informatik-Kurse sind an meiner Schule Fehlanzeige. Halt! Da gibt es doch einen Informatikkurs, den ich aufgrund mangelnder Stundenzahlen in der Oberstufe noch freiwillig gewählt habe. Was man allerdings von den aktuellen Schülern hört, lässt eher auf ein Jahr Langeweile schließen. Für die mag es neu sein, aber mir bringt es absolut NICHTS, wenn ich mit 18 Jahren erst einmal erläutert kriege, wie man ein Hello-World Programm schreibt und nach mehr als einem halben Jahr dann mal OOP beigebracht kriegen soll. 2 Jahre Langeweile pro Woche mehr stehen mir bevor. Naja, vielleicht kann man ja nebenher etwas Sinnvolles programmieren.

  3. Kleiner Zusatz: Paradox finde ich ja, dass man ständig Werke von den großartigen Stürmern und Drängern liest, dabei aber selbst unterjocht und eingeengt wird. Von wegen Genie und freie Entfaltung…

  4. Vielleicht darf ich noch einmal meinen Kompromissvorschlag vorstellen: 9 Jahre Pflicht in der Schule, danach darf man machen sich weiterbilden, wie man will? Es muss keiner in der Oberstufe irgendetwas machen. Lass dich nicht unterjochen und einengen, entfalte dein Genie! Verlass die Schule und verzichte auf zwei Jahre Langeweile.

  5. @Stefan: Ich hab mein Abitur letztes Jahr noch auf dem klassischen Weg gemacht. Zum Thema Informatik hab ich das Dilemma folgender maßen gelöst: Am zweiten Morgen des neuen Schuljahrs bin ich mit einem Stapel Papier zu meinem Informatiklehrer gegangen und hab ihm gezeigt, dass ich am Abend zuvor kurz alle Programme geschrieben haben, die er dieses Jahr vor hat (hab mir die Mappe eines älteren Schülers ausgeliehen). Da stand er erst mal begoßen da, hat mir dann aber für den Informatikunterricht Bücher mitgebracht – z.b. über rekursive Grafiken – auf jeden Fall wurde es ein schöner Unterricht ;-) – Während andere lernen mussten wie man x und y zusammenzählt.

    Sollte dir das nicht reichen, dann verlass die Schule einfach – du bist 18, also lass dir nicht sagen was du denken sollst. Infinity erklärt dir gerne wie ;-)

  6. @Blueyo & Infinity & Stefan
    Aber diese Erklärungen bitte telefonisch oder per private Mail :) Nicht dass die Kulminis auch noch die letzten Schlupflöcher zumachen.

    @Herr Rau
    Ich würde gerne diese Diskussion aufnehmen (will sie aber nicht den Blogbetreibern wegschnappen :) ). Mich würde als erstes interessieren, wie Sie auf 9 Jahre kommen?

  7. @Herr Rau
    9 Jahre Schulpflicht sollen ein Kompromiss sein? Für Gymnasiasten vielleicht, für Haupt- und Realschüler sicher nicht.
    Jedes Jahr Zwang ist eines zuviel. Und warum kann ein Kompromiss in Deutschland nicht wenigstens so aussehen wie in Österreich, wo die Kinder zuhause lernen können und am Ende des Schuljahres geprüft werden? Übersteigt solch ein (in meinen Augen viel zu rigider) Umgang mit Homeschooling schon den Horizont deutscher Lehrer bzw. Schulbehörden? Wovor haben Sie eigentlich Angst? Droht der Untergang des Abendlandes, wenn ca. 1 Prozent der Schüler (mehr wären es wahrscheinlich gar nicht) zuhause lernen würden?

  8. Warum ich auf neun Jahre komme, sollte klar sein: Damit greife ich ironisch die Vorstellung an, jemand würde Stefan zu irgend etwas zwingen. Er ist 18, sagt Blueyo, dürfte seine Schulpflicht hinter sich haben – insofern braucht man ihm keine Tipps geben, offline oder öffentlich, wie er sich von der Schule lösen kann: Er kann einfach gehen.

    (Und sein Abitur als Externer nachholen, wie das bei Unschoolern dann ja wohl auch gedacht wäre. Vielleicht wäre Infinity und anderen lieber, wenn es auch keine staatlich geprüften Abschlüsse mehr gäbe. Aber dafür dürfte es keine Mehrheit geben. Gezwungen wird ja niemand zu staatlichen Abschlüssen. Alternative: Eine Gesellschaft, die ganz auf Abschlüsse verzichtet und jeden Menschen als Individuum betrachtet. Ganzheitlich. Und so. Darf man sich wünschen, gibt aber keine Mehrheit dafür.)

    “Wovor haben Sie eigentlich Angst?” Krankheit und Unglück. Und Achterbahn fahre ich nicht sehr gerne. Aber sonst? Ich habe nicht viel Angst. Das ist so ein Mutprobenargument: “Traust dich nicht, wie?” um jemanden zu einem bestimmten Verhalten zu bringen.

    “Droht der Untergang des Abendlandes, wenn ca. 1 Prozent der Schüler (mehr wären es wahrscheinlich gar nicht) zuhause lernen würden?”

    Nein. Das Abendland will man nicht schützen, sondern die Kinder. Das Argument im oben erwähnten Zeit-Artikel ist ja, dass man die Kinder vor den Eltern schützen muss. Wenn man davon ausgeht, dass alle Unschooler Spinner sind, dann würde man 1% der Kinder aufgeben. Das ist zuviel. (Und natürlich stimmt das auch nicht.) Wenn man davon ausgeht, dass kein Unschooler ein Spinner ist, dann bricht dieses ganze Argumentation zusammen. (Aber das stimmt auch nicht.) Kosten-Nutzen-Rechnung: Wie viel Schaden richtet man bei wie viel Kindern auf die eine Art an, während man wie viel Schaden bei den anderen vermeidet?

    Bei der Rechnung kann durchaus herauskommen, dass man Homeschooling zulassen sollte.

    (Als Homeschooling-Anhänger muss man in diesem Zusammenhang eine weitere Rechnung aufmachen: Wie dramatisch muss man vor den Gefahren des Staates warnen, um noch Aufmerksamkeit zu erregen, ohne gleichzeitig den Ruf der Bewegung in der noch nicht überzeugten Öffentlichkeit zu ruinieren?)

  9. @Herr Rau
    Ich finde das immer witzig. Alle Schulfans machen sich Sorgen um das eine Prozent Homeschooler und das eine Prozent Homeschooler macht sich Sorgen um die 99 Prozent Schulgänger. Aber das nur am Rande.

    Wenn sich nach 9 Jahren die Schulpflicht eh erledigt hat, dann wäre das aber kein Kompromiss, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Die Frage ist, was will man mit der Schule bei diesen “gefährdeten” Kindern erreichen? Will man ihnen von Darwin erzählen und ein paar Pornos zeigen? Dann genügt doch eine Stunde die Woche? Will man sie Demütigen und Zusammenschlagen, dann genügen auch eine halbe Stunde pro Woche? Ahhh! Tut mir leid, ich sehe die Schule wieder von meiner Warte aus. Aber insgesamt sollte die Frage am Kindeswohl orientiert sein und wenn der Staat hier seinen pädagogischen Beitrag unbedingt leisten will, dann sollte er ihn auf das nötigste Zusammenstutzen und dann eine Zahl nennen. 9 Jahre dauernde Schulbeschallung sind bestimmt nicht nötig. Zumal man dann 1 – 3 Jahre Deschooling machen muss, bevor man Unschooling machen kann.

  10. Warum unbedingt unschooling, warum nicht Schülerschule? (vgl. http://www.tauschticket.de/cgi-perl/angebot.cgi/?angId=6011170)

  11. @Fontanefan
    Ich glaube wir sind uns über das Ziel einig:
    >im Hinterzimmer seiner Wohnung eine “Schule” für die Kinder eingerichtet
    >Nachmittags konnten sie jetzt in “ihre” Schule gehen. Das war natürlich völlig freiwillig, so dass nur motivierte Kinder, die unbedingt etwas lernen wollten, diesen Aufwand auf sich nahmen. Das Unterrichtsmaterial bauten sie sich zum großen Teil selbst und wer etwas gelernt hatte, brachte es den Kleineren bei. Auch für Schulbücher gab es kein Geld, so dass die Natur und die Umgebung des Dorfes das größte Schulbuch für die Kinder darstellten. Natürlich waren unter diesen Bedingungen Zensuren, Prüfungen oder das Sitzenbleiben sinnlos.

    Das ist ja genau das, was wir Unschooler auch wollen! Wir haben nur einen kleinen Zusatz: Diesen Raum kann nicht nur der Dorfpfarrer bieten, sondern auch wir Eltern.
    Wir sind uns also über das Ziel einig.

  12. @Herr Rau:
    “Wie dramatisch muss man vor den Gefahren des Staates warnen, um noch Aufmerksamkeit zu erregen, ohne gleichzeitig den Ruf der Bewegung in der noch nicht überzeugten Öffentlichkeit zu ruinieren?”
    Was für Beispiele haben Sie da? (Ich kann schon an einige denken, z.B. an dasky im Spiegel forum).

  13. Ich glaube da herrscht ein grundlegendes Missverständnis über die Entwicklung sozialer Neuerungen und Umwälzungen. Jegliche soziale Neuerung kommt, weil die Zeit reif dafür ist und nicht, weil ein Mensch (oder eine Gruppe) eine tolle Idee ohne Wurzel in der aktuellen Zeit hat und jetzt die ganze Menschheit durch ihre Bildung überredet.
    Und dasselbe gilt auch für die Schulpflicht. Wir reden hier ja nicht über das erste Land, dass die Unschooling/Homeschooling erlauben soll. Wir reden hier über das letzte Land, das es immer noch nicht kapiert hat. Es gibt schon Millionen von Menschen, die diesen Weg erfolgreich praktizieren.
    Unschooling breitet sich nicht pandemisch aus, weil alle Staaten böse sind oder alle Schulen schlecht oder alle Lehrer böse. Was ja alles gar nicht stimmt. Unschooling breitet sich deswegen so aus, weil die Leute, die es machen überwältigt sind von den Ergebnissen und weil es einfach die schönste Sache der Welt ist – im Bezug auf Bildung :)
    Und deswegen müssen wir hier auch keine schlechte Alternative zu einem schlechten Staat und noch schlechteren Schulen anbieten. Unschooling ist eine soziale Revolution und ein Genuss es zu leben. Niemals hätte jemand gedacht, dass individuelle und optimal angepasste Bildung nach den neuesten Erkenntnissen irgendwann einmal für alle Menschen erreichbar ist. Doch das bedeutet für mich Unschooling.
    Auch wenn das jetzt viele zu optimistisch finden mögen. Schaut euch mal in der Unschooler Szene um. Das sind nicht nur die ganz Reichen, die sich das leisten können. Das sind einfache Menschen. Teilweise sogar aus der Unterschicht.

  14. Übrigens die guten Leute, die dann das Ding unters Volk bringen braucht es natürlich auch. Aber eine tolle Sache (besonders in Bezug auf Bildung) zieht diese Leute ja automatisch an – oder bildet sie selber.

  15. Wollen wir nicht einmal auch hier ein wenig genauer hinschauen???
    Ich habe als Ich-kann-Schule-Lehrer überhaupt nichts dagegen: “Schulpflicht ist richtig!” Warum lesen wir denn nicht, was, das steht? Da steht doch gar nichts von Schulpflicht nur für Schüler!
    Nein, die Schulpflicht gilt für alle. Auch für Lehrer. Und für die ganze Gesellschaft. Einfach für jeden. Dann taucht doch wohl zumindest die Frage auf: “Was bedeutet eigentlich das Wort Schule?” Und wenn wir dann auch nur in einem Herkunftswörterbuch nachschauen, dann müsste es alsbald die ersten Menschen in Deutschland geben, die endlich erkennen: “Schule ist mitnichten das, was wir daeraus gemacht haben.” SCHULE kommt nämlich von griech. ECHEIN = HABEN. Wenn die alten Griechen – ich erkläre es in der IKS seit Jahrzehnten – so im Stress waren, dass sie nicht mehr alle (5 Sinne beieinander) hatten, dann hörten sie mit dem Irrsinn auf, in dem sie sich gerade verfangen hatten und gönnten sich SCHOLÄ: das Innehalten, Wieder-zu-sich-Kommen, Wieder-mit-sich-eins-Werden, eben SCHOLAE. Sie steigerten nicht – wie das bei uns allgemein Standard und “Pflicht” ist, den Irrsinn noch.
    Nun ist meine IKS-Frage: Brauchen wir es nicht dringend, dieses Innehalten in einer völlig verfehlten, am Leben vorbeigehenden Pädagogik, dieses Endlich-wieder-zu-uns-selbst-und-unseren Potentialen-Finden? Man könnte es schon als Intelligenzentwicklung tun, aber was wäre so verkehrt, wenn wir SCHOLAE – das was SCHULE wirklich ist – als unsere Grundpflicht dem Leben und uns gegenüber erkennen und leben würden?
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

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