Ein “Unschooling FAQ”
Apr 30th, 2009 | Von Rafael | Thema: BildungsfreiheitSchon oft hat 1000Sunny auf diesen Blog verlinkt. Dafür hier einen Dank und heute einen Link zurück. Dort gibt es jetzt nämlich das FAQ zu Unschooling.
Eine Sammlung häufiger Fragen zu Unschooling, die sich sicherlich noch ergänzen lässt. Nicht nur im Cyberspace sondern auch im richtigen Leben spreche ich häufig mit Schülern, die sich überhaupt nicht vorstellen können ohne Schule zu lernen. Und ich frage sie dann meist, ob sie denn die Schule gebraucht haben um zu lernen, wie man aufs Klo geht. Hat dich die Schule gelehrt zu sprechen? Hat sie dich gelehrt zu laufen? Ich hoffe doch nicht!
Die Schule hat dich auch nicht das Lernen gelehrt – im Gegenteil: Viele verlernen das lernen in der Schule!
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Genau das ist das Problem. Viel zu wenig junge Menschen wissen, dass man auch problemelos ohne Schule lernen kann (und eben in anderen Ländern auch DARF!).
‘Die Schule muss sein, sonst bleibt man dumm!’ wird einem gesagt, und habe ich früher auch geglaubt.
Macht schön weiter und klärt eure Mitschüler auf.
Je mehr sich für Homeschooling interessieren, umso besser!
Vorneweg: Ich mag euer Blog und mir gefällt meist, was ihr zu sagen habt. So!
Ist es aber überzeugend, acht Zeilen über Unschooling zu schreiben und gleich mal ca. acht Rechtschreibfehler einzubauen?
Oder ist das egal?
Oder ist das Programm?
Oder bin ich jetzt ein renitenter Beamter?
Oder was?
Gruß, Mephisto
Bin ich blind und sehe sie nicht?
Oder wird der Text bei dir anders angezeigt?
Oder sprechen wir von verschiedenen Texten?
Oder steckt da gar der Teufel dahinter (->Mephisto< -)
Ich würd sagen…wir sind schließlich alle zur Schule gegangen, und dort lernt man doch RICHTIG schreiben… *lach*
Ich muss zugeben, ich mache oft Rechtschreibfehler. Aber den meisten Menschen, die ich kenne, geht es so. Auch Lehrern an der Schule.
Wo ist das Problem?
Fehler machen ist erlaubt – ob nun beim Unschooling, in der Schule oder sonstwo.
Wir sind ja alle nicht perfekt!
Wir lernen einzig und allein durch Fehler – so arbeitet unser Gehirn nunmal. In der Schule ist wird das Fehler machen jedoch als sehr schlimm gepriesen. Kein wunder, dass viele Schüler irgendwann keine Lust mehr haben zu lernen, wenn sie immer und immer wieder davon abgehalten werden.
Was mich aber stört ist, dass die Leute, die sich hier wegen Rechtschreibfehler melden nie sagen, welche sie denn nun gefunden haben. Es kann ja passieren, dass man auch nach mehrmals lesen etwas nicht sieht. Aber dann BITTE sagt das doch auch, anstatt gleich den Superrichter zu spielen.
Ein Komma vor “sondern”, einmal muss Lernen noch groß geschrieben sein. Ist aber wirklich nicht dramatisch. Eher die Vermengung von Reifung und Lernen – Laufen “lernt” der Mensch nicht, das ist angeboren. Nein, das ist etwas anderes als angeborene Neugier, die einem die fehlerpreisende Schule austreibt. Ebenso Erstspracherwerb und Klogehen, was auch immer damit gemeint ist. Dem Argument mit dem Laufenlernen begegne ich immer wieder; mein Respekt davor ist gering.
Ich trenne hier einmal Kindesalter und Jugendalter. Das Kindheitsalter ist gekennzeichnet durch den Trieb sich die gesellschaftlichen Fähigkeiten anzueignen. Das sind sowohl Hygienische Grundlagen als auch relevante Fähigkeiten, wie lesen, schreiben und rechnen. Ich würde also behaupten, dass einzig dieser Trieb angeboren ist – nicht die Fähigkeit selber. Das Jugendalter hingegen strebt eine Individualisierung an. Die Fähigkeiten werden in die Richtungen ausgebaut, die den Jugendlichen beschäftigen. Das Individualisieren stellt sich dabei nicht selten gegen das zuvor nahe gebrachte (z.b. der Eltern).
Das war jetzt sehr, sehr vereinfacht. – Daher als Schema zu sehen.
Vielleicht etwas zu vereinfacht, ich hab’s nicht ganz begriffen. Ich trenne Reifung und Lernen. (Und Prägung gibt’s auch noch.)
Sind wir uns einig, dass der Erweb der Fähigkeit zu Laufen nichts ist, das man “lernt”, sondern das als natürlicher, angeborener Reifungsprozess stattfindet? (Man schaut es sich nicht von Vorbildern ab.)
Und dass das beim Lesen lernen anders ist?
Ich weiß nicht, wie es mit der Fähigkeit aussieht, aufs Klo zu gehen. Ist damit gemeint, seinem Stuhldrang nicht gleich nachzugeben, oder das Wissen, dass man nicht überall hin kackt, oder das Wissen, dass man danach auf die Spülen-Taste drückt? Ich vermute, dass da auch eher Reifung ist, kann das aber nicht belegen.
Deswegen finde ich die Behauptung “laufen hast du auch ohne Schule gelernt”, irreführend.
Ich gestehe ein, dass die oben gewählten Argumente unzureichend sind, um damit für Unschooling zu argumentieren. Sie waren lediglich ein kleiner Gedankenimpuls um etwas an die Thematik anzuschließen. Vielleicht finden wir ja noch demnächst ein Thema, bei dem wir unsere entwicklungspsychologischen Meinungen vertiefen können.
Lesen lernen findet statt ohne Schule und ohne Unterricht. Das habe ich selbst bei meinen drei älteren Kindern, die alle sehr gut Englisch und Deutsch lesen können, beobachtet. (Der Jüngste, der 6 Jahre alt ist, ist noch in der Lernphase).
Hier gibt es andere Berichte dazu:
http://sandradodd.com/reading
http://joyfullyrejoycing.com/academics/reading/readingisntnatural.html
Meine Tochter lernt gerade ganz ohne Beschulung lesen und schreiben und auch rechnen.
Ich glaube auch dort geht es um einen Reifungsprozess zusammen mit dem Drang es können zu wollen (zuerst aus dem Lustprinzip heraus, beim späten Leser die Notwendigkeit, weil er die Fähigkeit braucht).
Ist das Kind noch nicht ‘reif’ zum Lesenlernen wird es damit Schwierigkeiten haben.
Ich selber war sehr früh fähig zu lesen, obwohl es mir niemand beigebracht hat.
Lese- und Lernschwächen entstehen oftmals ja auch dadurch, weil Kindern etwas abverlangt wird bevor sie reif dafür sind, und daraus Frustration, Versagensängste und ähnliches entstehen.
@Blueyo#admin
Natürlich sprechen wir von verschiedenen Texten. Wie Herr Rau schon sagt, jetzt sind’s nur noch zwei Fehler.
Unschoolisch recht ordentlich verbessert. Ziemlich unwitzig.
Mephisto
@Herr Rau
Das mit dem Laufen ist eine interessante Frage. Der Vorgang des aufrechten Laufens ist Reifung – wobei es ein bisschen an Gegenbeispielen fehlt (mir fällt nur Mogli ein, dem keine Vorbilder zur Verfügung standen). Das “Gehen” ist schon wieder etwas komplett anderes und kulturelles.
Der Entleerungsmechanismus ist absolut angeboren – wir erleben das ja gerade mit “windelfrei” bei unserem 3.ten Kind.
Dennoch ist das Toilette gehen so dermaßen kulturell, dass man sagen kann: Jemand der Toilette gehen für angeboren oder Reifung hält, hat entweder keine Kinder, oder ist nicht in deren frühen Entwicklung involviert.
(als Ergänzung “windelfrei” funktioniert durch operante Konditionierung)
Ich habe in der Schule so gut wie nichts »gelernt«. Lesen, Schreiben und Rechnen hat mir meine Mutter beigebracht, als ich in den Kindergarten ging; das Wissen über Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion et cetera habe ich mir selbst angeeignet, vorallem durch das Lesen von langen Texten.
Bedauerlich, daß das Pöbel keine langen Texte lesen kann – So tief ist Deutschland gesunken.
Ich habe selbst gelernt, wie die bewährte Rechtschreibung angewendet wird und wie richtige Typographie funktioniert, lernt man das in unseren Unterrichtsvollzugsanstalten?
Im übrigen ist es eine Unverschämtheit, daß sich Leute erlauben, die Sprache – welcher Nation auch immer – zu modifizieren.
Lediglich die englische Sprache habe ich mir teils aufgrund der Teilnahme an Unterrichtsvollzug angeeignet; aber dieser ist dafür nicht vonnöten; kraft eigenen Willens ist es möglich, selbst eine Sprache zu erlernen.
In den »sonstigen« Fächern, wie »Geschichte« und »Erdkunde«, wird alles Offiziöse propagiert; das Geschichtsbild verdreht und die Globalisierung schöngeredet.
Und eins der schlimmsten Dinge in den Bildungseinrichtungen – pardon – Verblödungseinrichtungen ist, daß in großem Maße das Weltbild der Linken in die Häupter der arglosen jungen Unmündigen eingebrannt wird.
Und ich muß mir solches als Rechter zumuten. Wie schön, daß es baldig große Änderungen in der EUdSSR geben wird.
Bezüglich eines früheren Artikels auf schul-kritik.de, die Schulaction erwähnen (der Artikel kam leider erst heute): „Davon haben wir nichts gewußt“
@Blueyo#Admin
Die meisten Leute heutzutage sind noch im psychologischen Kindesalter.
Wer sonst als ein Kind z. B. würde CDU/Linke/SPD/Grüne/FDP wählen?
Wer sonst läßt sich so leicht beeinflussen? Uvm.
@scatty
I luv Sandra Dodd! Thx 4 da Link.
Besonders begeistert hat mich die Mutter, deren eines Kind erst mit 16 zu lesen angefangen hat und sie hat es wirklich ausgehalten – und jetzt liest jedes ihrer Kinder ein Buch pro Woche.
Das ist es doch!!! Nicht wann, oder wie wir anfangen. Sondern wann wir aufhören und ob wir weitermachen. Lernen ist doch kein Wettlauf! (Ich bin wirklich, wirklich begeistert – ich hab schon einen neuen Artikel im Kopf)
Sandra wird beim London Unschooling Conference dabei sein (auch Dayna Martin).
http://www.londonunschoolingconference.com/
Ich habe gerade das Buch “Genie” von Russ Rymer gelesen, über das Mädchen, das bis sie 13 war, total von der Außenwelt abgeschottet war und kein richtiges Grammatik lernen konnte. So ist es auch beim Laufen – Kinder, die von Tieren “erzogen” wurden, liefen auf Händen und Füssen. So betrachte ich Gehen und Sprechen als Sachen, die eine externe Stimulation und Vorbilder brauchen, um sich bei Menschen zu entwickeln. Genauso ist es, denke ich, bei Lesen: wenn die Vorbilder und die Stimulation (Bücher, Wörter, usw.) vorhanden sind, kann man es nicht entkommen, Lesen zu lernen.
Ja, das Problem ist doch komplizierter als zu Anfang gedacht. Sieht man ja auch an der Definition von Reifung. Ich habe da bisher nur schwammiges gefunden.