Bildungsweisheiten der Union
Jun 22nd, 2009 | Von ArtieS | Thema: deutsche BildungspolitikEin weiterer Grund, neben der Zustimmung zum Zugangserschwerungsgesetz, bei der kommenden Bundestagswahl CDU/CSU nicht zu wählen ist nun folgende Idee von Von der Leyen:
“Den Kindergartenbesuch wollen wir langfristig beitragsfrei ermöglichen und für das Jahr vor der Einschulung verpflichtend machen.” via
Wo kommen wir auch hin, wenn die Familie in der Kindergartenzeit wenigstens noch für die Erziehung ihres Kindes verantwortlich ist?
Und noch was Schönes aus den Bildungsfantasien der CDU, diesmal von Annette Schavan zum Bildungsstreik 2009 mit mehr als 270.000 teilnehmenden, von der deutschen Bildungspolitik enttäuschten, Schülern und Studenten:
“Die Proteste seien “gestrig”, sagte sie im Bezug auf die Kritik an der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Der Bologna-Prozess sei “alternativlos” und biete viele Chancen.” via
Na klar, wir leben schließlich in einem freien Land. Und wenn dann Universitäten an die Wirtschaft verkauft werden, dann hat das Volk eben keine Wahl.
Zum Bologna-Prozess schreibt Wolfgang Lieb:
“Verstärkt durch die Abschaffung der Diplom-Studiengänge und über den Hebel der Einführung von gestuften Bachelor- und Masterstudiengängen finden sich vielfach reine Lernstudiengänge an den Hochschulen, in denen Wissen eingepaukt und in zahllosen Klausuren schlicht reproduziert wird. [...] Die „hohen Schulen“ werden mehr und mehr zu Lern-Fabriken, in denen die Masse der Studierenden durch ein Kurzstudium geschleust wird.
Knapp die Hälfte der Hochschulratsvorsitzenden sind heute Vertreter der Wirtschaft. Gewerkschaften sind dagegen mit knapp 3 Prozent nur marginal vertreten.” via
Studenten sind heute überwiegend „angepasst, gleichgültig, konzeptlos, beliebig, unpolitisch, unsolidarisch”, zu dem Schluss kommt eine Studie der Universität Konstanz. Das Wesen der Universitäten hat sich grundlegend gewandelt, seit man den Unternehmen und Stiftungen die Türen zur Bildung geöffnet hat. Ein Ort des kritischen Studiums wurde zu unkreativen Lernfabriken, die man durch gleichmachende Institutionen treibt um sie der ach so sozialen, globalen Marktwirtschaft in die Hände zu spielen.
Studenten fühlen sich mehr und mehr ausgelaugt. Es geht nicht darum, das System bzw. Themenbereiche des Studiums infrage stellen und auszudiskutieren. Man benötigt einfach keine denkenden Geister wie Goethe, Schiller, Brecht, …
Letzter klagte über seine Schulzeit übrigens, er habe es nie geschafft, seine Lehrern wesentlich zu fördern
Ähnliche Beiträge:





Zumindest in Hannover waren die Leute noch gut drauf, als die liebe Frau von der Leyen da war
[1]
Ansonsten klingt das natürlich alles sehr traurig. Hab den Artikel bei der “Welt” nun nur überflogen, aber diese Aussage hier kommt mir bekannt vor:
“Jenny ist jetzt im sechsten Semester. Wenn das zu Ende ist, will sie den Bachelor-Abschluss in der Tasche haben. ‘Bis dahin muss ich einfach noch durchhalten’, sagt sie.”
Eine Bekannte von mir aus Südkorea ist im letzten Schuljahr und hat auch kaum noch Schlaf. Es kam vor, dass sie nachts um zwei noch meinte, dass sie etwas lernen müsste, aber zu müde sei. Viel mehr möchte ich dazu nicht sagen, aber seit 3 Wochen habe ich keine Antwort mehr erhalten. Weiß nicht, was dort los ist. Entweder gar keine Zeit mehr oder … naja …
[1] http://netzpolitik.org/2009/zensursula-aktion-an-der-uni-hannover/
Danke für den Link und die Bestätigung. Ich höre ähnliches von Bekannten
Es gibt ja durchaus Gegenwind. Aber dem entgegen stehen dann 80% Konservative aus der älteren Generation, die eben “ihre Partei” haben und für die das Wort Internet etwas völlig abstraktes darstellt.
Was die Bekannte aus Südkorea angeht, kann ich jetzt nach 4 Wochen zum Glück doch Entwarnung geben. Sie fühlte sich zu schwach und konnte an nichts Normales mehr denken. Ist aber natürlich auch keine positive Rückmeldung an das System dort und ändert auch nichts an ihren Gefühlen.