Geschichte eines Frevels

Dez 9th, 2009 | Von Rafael | Thema: Schulsysteme

Das Buch “Die Schule – Ein Frevel an der Jugend” von Walther Borgius ist eine Zeitreise in das Jahr 1930. Es erzählt von den prekären Verhältnissen an den Schulen. Aber die Zeitreise birgt eine schlechte Nachricht. Haben sich doch manche Verhältnisse in den 80 Jahren nicht verändert.

Borgius hat sein Buch in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil beschreibt er die Geschichte der Schule und macht darin ihre Funktion als Herrschaftsmittel des Staates deutlich. Im zweiten Teil geht er auf “Grundsätzliches” der Schule ein. Dabei analysiert er verschiedene Schulfächer hinsichtlich ihres Nutzens für den Staat, beschreibt selbstbestimmtes Lernen, fordert die Beseitigung der Schule und zeigt neue Wege auf.
1. Geschichtliches:

Die Geschichte der Schule ist die Geschichte der Staaten in denen sie stehen. Egal ob Russland, Preußen, Frankreich oder Italien – Schulen waren und sind Instrumente Staatlicher Kontrolle und Steuerung. Die Informationen bezieht er dabei jedoch aus dem Material, dass er geschickt bekommt. So zieht er Schlüsse von einzelnen Ansprachen auf das Bildungssystem des Landes. Auch sind manche Aussagen unter ihren zeitlichen Hintergrund zu sehen.

2. Grundsätzliches:
Hier kreidet Borgius die einzelnen Versäumnisse der Schulfächer an. Gegen Ende geht er sogar einen Schritt weiter und gibt konkrete Vorschläge, wie ein neues System aussehen muss. Kleine Leseprobe:

“Zunächst ist es ebenso überflüssig, wie schädlich, den Kindern überhaupt Schreiben und Lesen durch Schulzwang beizubringen. Die praktische Erfahrung läßt für jeden, der die Augen aufmachen kann, keinen Zweifel darüber, daß die Kinder ohne Schulunterricht beides nicht nur ebenfalls, sondern sogar schneller und besser lernen würden, wenn man ihnen ermöglichte, es statt aufgezwungenen Drills in bestimmten Stunden, spielend freiwillig von einander zu lernen, zu der Zeit, wo bei ihnen das Interesse dafür erwacht, und an solchen Tagen und Stunden, wo sie Neigung dazu haben.”

Resümee:

Für jeden der auf der Suche, nach Hintergrundwissen zur Geschichte der Schule und ihrer Deutung in den 20er Jahren, der sollte auf jeden Fall zu diesem Buch greifen. Er zeigt wie klein die Bedeutung von Schule für das lernen, wie groß sie für staatliche Kontrolle ist.

Das Buch ist erschienen im Tologo Verlag. Dort gibt es auch das gesamte Buch online zu lesen – es lohnt sich also!

Schlusswort:

Was ihr den “Geist der Zeiten” heißt, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.

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Ein Kommentar
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  1. Ähem, ich möchte nicht lehrerhaft wirken, aber es heißt “prekär” und nicht “breker”. Nichts für ungut :)

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